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Mittelschmerz als Symptom der Fruchtbarkeit im Zyklusverlauf.

Was ist der Mittelschmerz?

Der Mittelschmerz tritt normalerweise um den Eisprungtag herum auf. Man nennt ihn daher auch Ovulationsschmerz. Da der Mittelschmerz bei einer regelmäßigen Periode ungefähr in der Mitte des Zyklus gespürt wird, wird er auch als Intermenstrualschmerz bezeichnet.

Gehörst Du auch zu den Frauen, die ein Ziehen oder Stechen im Unterleib zum Zeitpunkt des Eisprungs spüren? Nicht bei jeder Frau tritt er auf, der sogenannte Mittelschmerz. Wir erklären Dir, wie Du ihn erspüren kannst, wann er auftritt und wie der Mittelschmerz Dir bei der Bestimmung der fruchtbaren Phase helfen kann.

Der weibliche Körper weist durch viele unterschiedliche körperliche und psychische Beschwerden auf den Eisprung hin. Der Mittelschmerz ist dabei ein sekundäres Zeichen der Fruchtbarkeit, das die befruchtungsfähigen Tage im Menstruationszyklus zusätzlich zur Basaltemperatur und dem Zervixschleim bestätigen kann. Das bedeutet, dass der Mittelschmerz alleine nicht ausreicht, zuverlässig den Eisprungtag zu bestimmen.1,2

Mittelschmerz: Symptome

Der Mittelschmerz macht sich durch Beschwerden im Unterleib bemerkbar und kann einen bis mehrere Tage andauern. Es kann sich auch um ein Ziehen oder einen krampfartigen Schmerz handeln, der nur einige Sekunden, Minuten oder auch Stunden anhalten kann und sich entweder im rechten oder linken Unterbauch bemerkbar macht.2

Manche Frauen spüren ganz genau, wo der Schmerz herkommt – mal links oder mal rechts im Eierstock. Selten wird er auf beiden Seiten gleichzeitig gespürt. Es gibt Frauen, die keinen Schmerz verspüren, andere leiden über mehrere Stunden hinweg an starken, krampfartigen Schmerzen.

Jede Frau, die den Mittelschmerz erlebt, beschreibt den Schmerz etwas anders. Meist wird er eindeutig links oder rechts im Unterbauch gefühlt. Manche Frauen spüren auch ausstrahlende Schmerzen in Rücken und Beinen sowie als drückendes Gefühl im Dammbereich.4

Wenn die Unterleibsschmerzen auf einer bestimmten Seite gespürt werden können, stimmt dies vielfach mit der Seite überein, auf der der Eisprung stattfindet. Die Seite kann dabei monatlich wechseln. Auch beschwerdefreie Monate können auftreten.3

Wann findet der Mittelschmerz statt?

Die Symptome des Mittelschmerzes treten um den Eisprungzeitpunkt in Erscheinung, d. h. von bis zu wenigen Tagen davor oder auch kurz danach. In den meisten Fällen spüren Frauen sie einen Tag vor dem Eisprungtermin.

Bringt man sie als eines der verschiedenen Eisprung-Symptome damit in Verbindung, so kann man davon ausgehen, dass der Mittelschmerz etwa 2 Tage vor dem Temperaturanstieg stattfindet.5 Er tritt oft parallel zu Ovulationsblutungen auf. Dies ist eine Blutung, wahrscheinlich ausgelöst durch die spontanen Hormonschwankungen.6

Was löst die Eisprungschmerzen aus?

Die Ursachen des Schmerzes sind nicht eindeutig geklärt. Wissenschaftler haben folgende Auslösemechanismen herausgefunden:

  • Spannung auf das Gewebe durch die wachsende Eizelle: 
    Die Symptome können auf eine Kapselspannung im Eierstock zurückgeführt werden, wenn der Follikel rasch wächst. Follikel sind Eibläschen, in denen sich jeweils eine Eizelle befindet.7
  • Platzendes Eibläschen:
    Ursache könnte das Platzen des Eibläschens bzw. Follikels bei der Ovulation sein.8
  • Bauchfell wird gereizt:
    Durch die aus dem Eibläschen austretende Flüssigkeit könnte das Bauchfell gereizt werden. Eine schmerzhafte Reizung des Bauchfells könnte daher damit im Zusammenhang stehen.1
  • Kontraktion der Eileiter:
    Nach dem Follikelsprung ziehen sich die Eileiter zusammen. Damit helfen sie dem Ei, sich in Richtung Gebärmutter zu bewegen. Diese Kontraktion kann zu Schmerzen, Stechen und Krämpfen führen.

Mittelschmerz als Zeichen der Fruchtbarkeit?

Viele Frauen fragen sich, ob sie den Mittelschmerz nutzen können, um den Ovulationszeitpunkt zu bestimmen. Zum Schwangerwerden oder auch zur natürlichen Verhütung kann er zur zusätzlichen Beurteilung der primären Symptome sehr wohl nützlich sein.

Zeigt der Mittelschmerz den Eisprungtag an?

Viele Frauen sind der Meinung, dass es einen deutlichen Zusammenhang zwischen Mittelschmerz und Eisprungtag gibt. Viele glauben, wenn man den Mittelschmerz spürt, dann findet der Eisprung statt. Dies ist allerdings häufig nicht der Fall.

Studie über Mittelschmerz & Eisprungzeitpunkt

Der Mittelschmerz tritt individuell unterschiedlich auf, wie die nachfolgende Grafik zeigt:

Die Grafik zeigt den Zusammenhang zwischen Mittelschmerz und Eisprungzeitpunkt.

Zusammenhang zwischen Mittelschmerz und Eisprungzeitpunkt | Grafik: Eigene Darstellung nach Freundl G. et al. 1991 (12)

In dieser Studie wurden 26 Frauen nach ihrem Mittelschmerz gefragt. Der Eisprung wurde per Ultraschall und LH-Messung festgestellt. Auf der y-Achse sind 26 Frauen aufgeführt, auf der x-Achse die Zyklustage vor und nach dem Eisprungtag. Ein roter Punkt bedeutet, dass der Mittelschmerz genau zu diesem Zeitpunkt wahrgenommen wurde; ein Pfeil bezeichnet die Zeitspanne, während der er gefühlt wurde.

Die Grafik verdeutlicht, dass nur 5 von 26 Frauen den Mittelschmerz tatsächlich am Eisprungtag gespürt haben. Bei 15 von 26 Frauen war der Mittelschmerz bereits spätestens einen Tag vor dem Eisprung beendet. Meist ist die Dauer des Schmerzes nur kurz. Sehr selten wird er über mehrere Tage oder gar einer Woche gespürt. Diese Ergebnisse lassen vermuten, dass es sich beim Mittelschmerz häufig um ein Ereignis handelt, dass mit dem Östrogenmaximum und -abfall kurz vor dem Eisprung einhergeht.12

Mittelschmerz: Korrelation mit Eisprungzeitpunkt

Die Frage, ob der Mittelschmerz tatsächlich den Sprung des Eis anzeigt, muss man mit „Nein“ beantworten. Die Gründe liegen darin, dass man die zeitliche Verbindung zwischen dem Mittelschmerz und dem Ovulationstermin nicht präzise festlegen kann und jede Frau die Symptome individuell verspürt. Eine exakte Aussage zum Eisprungtag kann der Mittelschmerz somit nicht liefern, sondern lediglich eine ungefähre.1

Mittelschmerz: Anzeige der befruchtungsfähigen Tage?

Mittelschmerzen können bei der Identifizierung der Fruchtbarkeit durchaus unterstützen. Dies kann vor allem sehr hilfreich sein, wenn Du einen Kinderwunsch hast, da während dieser Phase die Wahrscheinlichkeit einer Befruchtung besonders hoch ist.

Mittelschmerz und Sex

Wenn Du schwanger werden möchtest, so ist es durchaus sinnvoll, sich nach dem Mittelschmerz zu richten. Einerseits hat sich gezeigt, dass der Mittelschmerz meist vor dem Eisprungtermin gespürt wird. Gleichzeitig ist der größere Abstand vor dem Eisprungtag von Vorteil, da die Wahrscheinlichkeit, wann man schwanger werden kann, 1 bis 2 Tage vor dem Eisprung am größten ist.

Mittelschmerz ist Sekundärsymptom

Als zuverlässiges Symptom zur Verhütung sind Unterleibsbeschwerden dieser Art jedoch nicht anzusehen, da sowohl Zeitpunkt als auch Intensität variieren können. Zudem tritt er nur bei einem Teil der Frauen regelmäßig auf.

Der Schmerz rund um die Mitte des Menstruationszyklus stellt das bedeutsamste Nebenmerkmal der Fruchtbarkeit dar. Da der Mittelschmerz aber nicht von allen Frauen gespürt wird und auch zeitlich nicht einheitlich im Zyklus auftritt, wird er nicht zu den primären Symptomen gezählt.

Setzt man diesen in Kombination mit dem Zervixschleim oder der Basaltemperatur ein, so kann die fertile Phase auf wenige Tage eingegrenzt werden.

In Kombination mit eisprungsicheren Symptomen können Ovulationsschmerzen die Auswertung zusätzlich untermauern, ob das Ziel nun eine Schwangerschaft oder die Empfängnisverhütung ist.5

Mittelschmerz überwachen

Wenn Du die fruchtbare Phase zuverlässig bestimmen möchtest, kann Dich cyclotest mySense unterstützen. Die App erlaubt Dir zusätzlich zur Eingabe primärer Symptome die Dokumentation verschiedener zyklusrelevanter Zeichen wie den Mittelschmerz. Damit kannst Du erkennen, ob Du zu den Frauen gehörst, die regelmäßig einen Schmerz spüren.

Mittelschmerz eingeben bei cyclotest mySense.

Mittelschmerz: Starke, schwache oder keine Schmerzen?

Der Mittelschmerz ist ein natürlicher Schmerz und bedarf grundsätzlich keiner Behandlung. Ovulationsschmerzen sind normalerweise gesundheitlich unbedenklich. Treten allerdings sehr starke Schmerzen auf, könnte das eventuell für Verunsicherung sorgen.

Gleichzeitig finden es einige Frauen bedenklich, wenn sie überhaupt keine Schmerzen oder Ziehen spüren oder dies nicht jeden Monat.

Was hilft bei starken Eisprungschmerzen?

Manche Frauen leiden an heftigen Ovulationsschmerzen in der Zyklusmitte. Wenn die Beschwerden so spontan wieder abnehmen wie sie aufgetreten sind oder sich wieder rasch abschwächen, so kann man davon ausgehen, dass es sich um den „regulären Mittelschmerz“ handelt. Hier gibt es symptomatische Therapiemöglichkeiten.6

Erste Hilfe bei starken Mittelschmerzen

Ruhe und Wärme, zum Beispiel mittels Wärmflasche, können Dir helfen, wenn Dich Mittelschmerzen plagen. Medikamente und Schmerzmittel können Linderung schaffen. Doch auch Heilpflanzen, die man in Form von Tee einnehmen kann, sollen regulierend wirken. Dazu zählen Frauenmantel oder Gänsefingerkraut.9

Weitere Therapien bei starken Eisprungschmerzen

Für Frauen, die von sehr heftigen Schmerzen betroffen sind, kommen als Therapieform Medikamente wie Ovulationshemmer (zum Beispiel die Pille) in Frage. Alternativ können GnRH-Analoga helfen, z. B. Buserelin, Synrelin oder Dekapeptyl. GnRH-Analoga sind synthetisch hergestellte Derivate des natürlichen Gonadotropin-Releasing-Hormons, welches die Bildung der Hormone LH und FSH hemmt.

Daher gibt es für Frauen, die sich ein Baby wünschen, die Möglichkeit, Prostaglandinhemmer einzunehmen, um die Mittelschmerzen zu lindern. Es könnte jedoch sein, dass auch diese die Ovulation verhindern, was eine Befruchtung ebenfalls ausschließen würde.11

Sollten diese zu keiner Linderung des Schmerzes führen, muss der Frauenarzt prüfen, ob eine andere Erkrankung vorliegt. Es könnte sich beispielsweise auch um eine Blinddarmentzündung oder Entzündung des Eierstocks handeln.10 Bitte kläre starke Schmerzen unklarer Ursache mit Deinem Arzt ab.

Was ist, wenn ich den Mittelschmerz nicht spüre?

Mache Dir keine Sorgen, wenn du den Ovulationsschmerz nicht fühlst oder nicht in jedem Zyklus. Nur etwa 30–40 % der Frauen spüren diesen besonderen Schmerz. Wenn Du diese Erscheinung bei Dir also bisher nicht beobachten konntest, ist das völlig normal und sollte Dich nicht beunruhigen.5 Es bedeutet nicht, dass bei Dir kein Eisprung stattgefunden hat.

Mittelschmerz nicht mit anderen Schmerzen verwechseln!

Auch andere Schmerzen können im Laufe des Zyklus oder bei bestimmten Gegebenheiten auftreten, welche nicht mit dem Mittelschmerz verwechselt werden sollten:

Schmerzen im Menstruationszyklus

Während dem Andocken der befruchteten Eizelle in der Gebärmutterwand fühlen manche Frauen einen ähnlichen Schmerz wie beim Mittelschmerz. Von der Art des Schmerzes ist er demnach nicht klar abzugrenzen. Allerdings tritt der Einnistungsschmerz zeitlich ca. 4–7 Tage nach dem Eisprung auf.

Anders als Menstruationsschmerzen treten Mittelschmerzen eher einseitig auf. Typische Unterleibsschmerzen sind zudem oftmals stärker und treten regelmäßiger in Erscheinung. Menstruationsschmerzen unterscheiden sich natürlich auch in ihrem zeitlichen Auftreten. Der Mittelschmerz macht sich in etwa in der Zyklusmitte bemerkbar, während Beschwerden während der Menstruation am Zyklusbeginn auftauchen.

Schmerzen aufgrund von Erkrankungen

Der Mittelschmerz ist vollkommen harmlos und nicht krankhaft. Bei Endometriose können ebenfalls regelmäßig wiederkehrende Schmerzen auftreten, die mit dem Mittelschmerz verwechselt werden können. Endometriose ist allerdings eine Erkrankung, bei der Gebärmutterschleimhaut sich auch außerhalb der Gebärmutter bildet.

Im Gegensatz zur Blinddarmentzündung, die nur rechts im unteren Bereich des Bauches zu spüren ist, kann der Mittelschmerz wechselweise einmal links und das nächste Mal rechts auftreten. Außerdem geht eine Blinddarmentzündung oft mit Appetitlosigkeit, Erbrechen und leichtem Fieber einher.

Auch eine Bauchfellreizung lässt sich unter Umständen nicht eindeutig von Mittelschmerzen unterscheiden. Zysten des Eierstocks und Tumore können ebenfalls Ursache für ein Druckgefühl und Schmerzen im Bereich des Eierstocks und Rückens sein. Tritt beispielsweise Flüssigkeit aus der Eizelle in die freie Beckenhöhle, kann dies zu Schmerzen führen. Daher gilt: Im Zweifel die Beschwerden von Deinem Arzt abklären lassen!

Quellen:
1 Malteser Arbeitsgruppe Natürliche Familienplanung (Hrsg.): Natürlich und sicher. Das Praxisbuch. 18. Auflage. Stuttgart 2011.
2 Rötzer, J.: Natürliche Empfängnisregelung. Wien 2006.
3 O’Herlihy, C.: Preovulatory follicular size: A comparison of ultrasound and laparoscopic measurements. Fertil Steril, 34: 24-6. 1980.
4 McSweeney, D. J.: Ovulation and postovulation pain. Am J Obstet Gynecol, 59:419-23. 1950.
5 Raith-Paula, E. et al.: Natürliche Familienplanung heute. Modernes Zykluswissen für Beratung und Anwendung. 5. Auflage. Heidelberg 2013.
6 Diedrich et al.: Gynäkologie & Geburtshilfe. 2. Auflage, Springer, Heidelberg 2007.
7 Kerin, J. F. et al.: Morphological and functional relations of Graafian follicle growth to ovulation in women using ultrasonic, laparoscopic and biochemical measurements. Br J Obstet Gynaecol. 88: 81-90. 1981.
8 Hann, L. E. et al.: Mittelschmerz. Sonographic demonstration. JAMA. 241: 2731-2732. 1979.
9 Madejsky, M.: Lexikon der Frauenkräuter. Inhaltsstoffe, Wirkungen, Signaturen und Anwendungen. 5. Auflage. Baden und München 2015
10 Gnoth, C. et al.: Kinderwunsch. Natürliche Wege zum Wunschkind. 3. Auflage. München 2012.
11 Birkhäuser, M.: Behandlung von Schmerzzuständen bei Östrogenmangel. Archives of Gynecology and Obsetrics. 74-75. 1996.
12 Freundl, G. et al.: Natürliche Familienplanung: Neue Technologien und Studien zur Methode. BMJFG. 1991.

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