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Was bedeutet der Zervixschleim?

Der Zervixschleim ist ein Sekret im weiblichen Körper. Er ist bei jeder Frau unterschiedlich ausgeprägt und kann sich durch Alter, Lebensweise und Ernährung verändern. Allerdings durchläuft der Zervixschleim im Zyklusverlauf bestimmte Konsistenzumschwünge, die bei allen Frauen gleich sind. Und genau diese Veränderungen geben Rückschlüsse auf die Zyklusphase, die Fruchtbarkeit und auf den Eisprung.

Die Abbildung zeigt einen spinnbaren Zervixschleim.

Du hast sicher schon den Ausfluss an bestimmten Tagen im Zyklus bemerkt. Dabei handelt es sich um den Zervixschleim. Während des Zyklus verändert sich dieser Schleim. Das Tolle an der Zervixschleimbeobachtung ist, dass sie nach einer anfänglichen Übungszeit immer leichter fällt. Die Bestimmung und Analyse des Zervikalschleims ist vor allem Erfahrungssache, kombiniert mit dem Wissen um den Zervixschleim.

Wie entsteht Zervixschleim?

Unter Zervixschleim versteht man den „Ausfluss“ am Scheideneingang. Der Zervixschleim entsteht durch Drüsen im Gebärmutterhals (Zervix) und besteht zum größten Teil aus Wasser. Unter anderem enthält das Sekret Muzine (Schleimstoffe) und Aminosäuren sowie Salze, Enzyme und Zucker.

Der Zervixschleim hat die Funktion, die Spermien weiterzuleiten sowie das Eindringen von Keimen in die Scheide zu verhindern. Dieses Sekret ist eines der sicheren Eisprung-Symptome, welches sich im Laufe eines Zyklus verändert und so Aufschluss über die Fruchtbarkeit der Frau geben kann.

Während der unfruchtbaren Zeit blockiert der dickflüssige Schleim das Weiterwandern der Spermien, während er im Fruchtbarkeitsfenster flüssiger wird, die Reise der Spermien zur Gebärmutter begünstigt und die Lebensdauer der Spermien verlängert wird. Damit steigt die Wahrscheinlichkeit für eine Schwangerschaft.1

Zervixschleim innerhalb eines Zyklus

Der Gebärmutterhalsschleim verändert sich in Aussehen und Konsistenz aufgrund der hormonellen Einflüsse im Laufe des Menstruationszyklus. Die Beschaffenheit und Menge unterliegen dem Einfluss von Östrogenen und Progesteron. Die Veränderung des Zervikalschleims gibt Dir präzise Hinweise, in welcher Zyklusphase Du Dich gerade befindest und ob Du fruchtbar bist.

cyclotest mySense wertet den Zervixschleim aus.

Zervixschleim nach der Periode

Am Zyklusbeginn nach der Periode haben die meisten Frauen keinen oder kaum Ausfluss. Bei manchen fühlt sich der Scheideneingang in der Zeit nach der Menstruation sogar trocken und eher unangenehm an. Einige Tage später stellt sich oftmals ein feuchtes Gefühl ein; bei einigen ist der Zervixschleim bereits sichtbar und sie spüren ihn. Die Konsistenz des in dieser Zeit meist gelblichen oder weißlichen Schleimpfropfens ist cremig und dicklich, oft sogar klumpig und klebrig.2

Die Abbildung zeigt cremigen, klebrigen, oft weißen Zervixschleim, der die Spermien auf dem Weg durch die Scheide zur Eizelle behindert. Manche beschreiben ihn als quark- oder joghurtähnlich oder milchig.

Cremiger, klebriger Zervixschleim | Grafik: © cyclotest

Zervixschleim vor dem Eisprung

Um eine Befruchtung zu ermöglichen, verflüssigt sich der Schleimpfropf zu Beginn der fruchtbaren Tage. Der Zervixschleim vor dem Eisprung wird immer glasiger, transparenter und dünnflüssiger. Diese Veränderung wird durch die vermehrte Bildung von Östrogen durch die Drüsen des Gebärmutterhalses verursacht – der Östrogenspiegel steigt. Der Scheideneingang fühlt sich jetzt nass, glitschig und feucht an, der Schleim ist dehnbar und ähnelt rohem Eiweiß.

Der Zervixschleim hat kurz vor dem Eisprung und währenddessen die günstigste Qualität; Spermien werden in dieser Zeit besonders einfach und schnell zur Gebärmutter befördert und die Chancen auf eine Schwangerschaft sind am höchsten. Besteht bei Dir ein Kinderwunsch, solltet ihr an diesen Tagen Sex haben.2

In der Abbildung kannst Du das eiweißartige Zervixsekret erkennen, das Dir den Hinweis gibt, dass Du fruchtbar bist. Zudem lässt es sich bis zu 5 Zentimeter in die Länge ziehen, ohne zu reißen. Wegen seiner Dehnbarkeit spricht man auch von „Spinnbarkeit“ und von einem „spinnbaren“ Zervikalschleim. Um den Eisprungzeitpunkt wird das Sekret wässriger und dünnflüssiger und Du fühlst Dich feucht. Unter dem Mikroskop findet sich als Ausdruck kristallisierenden Salzes das sogenannte Farnkrautphänomen.

Glasiger und spinnbarer Zervixschleim | Grafik: © cyclotest

Zervixschleim nach dem Eisprung

Die Qualität des Zervixschleims nach dem Eisprung verschlechtert sich wieder, d. h., er wird wieder undurchsichtig, zäh und ist nicht mehr spinnbar; außerdem ist er wieder gelblich oder weißlich. Manchmal verschwindet er sogar komplett. Vor der nächsten Periode finden normalerweise keine Veränderungen des Zervixschleims mehr statt.2

Die Abbildung zeigt weißlichen, klumpigen Zervixschleim. Für Spermien ist es extrem schwierig, diese Barriere zu durchdringen. Er wird oftmals mit Klebstoff verglichen.

Klumpiger und weißer Zervixschleim | Grafik: © cyclotest

Zervixschleim bei Pille & Co.

Frauen, die hormonell verhüten (beispielsweise mit der Pille), haben oftmals keinen Ausfluss und stellen im Zyklusverlauf auch keine Veränderung fest. Das hängt damit zusammen, dass die Produktion des Schleims am Gebärmutterhals vom natürlichen Hormonhaushalt abhängt.2

Falls Du noch ein hormonelles Verhütungsmittel verwendest, musst Du zunächst die Pille absetzen. Erst dann kannst Du mit der Zervixschleimauswertung beginnen.

Zervixschleim bei einer Schwangerschaft

Ist eine Schwangerschaft eingetreten, so können die hormonellen Veränderungen dazu führen, dass sich der Zervixschleim nach einer Befruchtung verändert. Eine vermehrte Schleimbildung, oftmals gekennzeichnet durch eine milchige bis flüssige Konsistenz, kann also ein Schwangerschaftsanzeichen sein.

Der stärkere Zervixschleim in der Frühschwangerschaft wird durch die erhöhte Östrogenproduktion ausgelöst. Der Zervixschleim ist meist in der gesamten Schwangerschaft vermehrt und dabei dickflüssig sowie gelblich.

Doch nicht immer kommt es zu einer Veränderung des Zervikalschleims in der Schwangerschaft. Viele Frauen können weder ein vermehrtes noch vermindertes Sekret erkennen. Es ist also nicht möglich, durch Zervixschleimbeobachtung zuverlässig festzustellen, ob Du schwanger bist.

Vor der Geburt – das können Wochen oder auch Tage sein – werden oftmals größere Mengen Schleim produziert, da sich der Muttermund weitet. Der Zervixschleim kurz vor der Geburt kann durch geplatzte Blutgefäße von rötlicher Farbe sein.3

Was gilt nicht als Zervixschleim?

Vom Zervixsekret zu unterscheiden ist einerseits der Erregungsschleim. Dieser ist ebenso klar und zieht Fäden. Wenn Du erregt bist, kannst Du Deinen Schleim nicht richtig auswerten. Wenn Du unsicher bist, ob es sich um Erregungsschleim handelt, kannst Du ihn in Wasser auflösen. Erregungsschleim löst sich  im Gegensatz zum Gebärmutterhalsschleim auf.

Andererseits muss ein krankhafter Ausfluss unterschieden werden. Meist wird dieser von einem strengen Geruch, Juckreiz oder Brennen begleitet.

Zervixschleim beobachten und auswerten

Den Zervixschleim beobachtest Du am besten mindestens einmal täglich. Einmal täglich notierst Du dann, was Du empfunden, gefühlt und gesehen hast. Dafür musst Du die offiziellen Bezeichnungen verwenden. Um den Zervixschleim auszuwerten, suchst Du den Tag mit Deiner ganz individuellen besten Schleimqualität, auf den 3 Tage mit schlechterer Qualität folgen.

Die Zervixschleimbeobachtung und -analyse ist wichtig, wenn Du NFP ausüben möchtest. NFP ermöglicht es Dir, Deinen Fruchtbarkeitsstatus im Menstruationszyklus zu bestimmen. Damit kannst Du klar feststellen, ob ein Schwangerschaftsrisiko besteht oder nicht.

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Wie beobachte ich meinen Zervixschleim?

Der Zervixschleim kann empfunden, gefühlt und gesehen werden. Alle drei Arten der Beobachtung sind wichtig bei der Dokumentation des Zervixschleims.

Die Konsistenz des Zervikalschleims kannst Du prüfen, indem Du vor dem Toilettengang das Toilettenpapier mit dem Schleim zusammenfaltest und beim Auseinanderfalten nachsiehst, ob dieser spinnbar ist. Du kannst natürlich auch mit dem Finger die Beschaffenheit an der Scheide prüfen.2

Zervixschleim-Kategorien

Der Zervixschleim kann in verschiedene Kategorien eingeteilt werden. Gemäß den Methoden der Natürlichen Familienplanung, gibt es dafür bestimmte Abkürzungen, die das Deuten des Zervixschleims vereinfachen. Hier findest Du eine Auflistung der Kategorien mit den entsprechenden Abkürzungen:

Abkürzung Ø

Nichts gesehen, nichts gefühlt, keine Feuchtigkeit, kein Schleim sichtbar oder fühlbar.


Abkürzung t

Nichts gesehen, trockenes Gefühl, kein Schleim sichtbar oder fühlbar, eventuell juckendes unangenehmes Gefühl.


Abkürzung f

Feuchtes Empfinden, kein Schleim sichtbar.


Abkürzung S

Schleim ist dicklich, weißlich, gelblich, klumpig oder cremig, feuchtes Gefühl oder nichts gefühlt.


Abkürzung S+

Schleim ist glasig, durchsichtig, spinnbar, wie rohes Eiweiß, eventuell auch rötlich, dehnbar, fadenziehend, flüssig oder rinnt weg wie Wasser, nasses Empfinden, glitschiger Scheideneingang oder auch nichts gefühlt.


Abkürzung S+H

Der letzte Tag, an dem die beste Zervixschleimqualität der Kategorie S+ festgestellt werden kann, bevor die Qualität sich verschlechtert. Er kann daher erst im Nachhinein erfasst werden. Dieser Tag ist der Zervixschleimhöhepunkt.


Welche Zervixschleimqualität verwenden?

Der Zervixschleim kann sich im Laufe eines Tages verändern. Wichtig ist, dass Du Dein Ergebnis für den Tag erst abends überträgst und die für diesen Tag beste Qualität wählst.

Die Dokumentation des Zervixschleims erfordert Übung und ist anfangs gewöhnungsbedürftig. Achte einfach immer darauf, dass Du konsequent das überträgst, was Du beobachtest, auch wenn der Verlauf im vorherigen Menstruationszyklus anders war.

Wie werte ich den Zervixschleim aus?

Um die Zervixschleimdokumentation auszuwerten, musst Du Deinen Zervixschleimhöhepunkt bestimmen. Dieser Höhepunkt wird immer im Nachhinein festgestellt, da dieser den letzten Tag der besten Zervixschleimqualität darstellt.

Zervixschleimhöhepunkt

Wenn Du an 3 Tagen in Folge die allerbeste Schleimqualität S+ beobachtet hast und am 4. Tag eine Verminderung der Qualität feststellst, so ist der 3. Tag als Schleimhöhepunkt S+H zu markieren.

Die folgende Grafik zeigt den Zusammenhang zwischen den Zervixschleimqualitäten, der Temperatur und dem Ovulationstag. Im Beispiel wurde an Tag 15 die beste Zervixschleimqualität beobachtet. Dies war der dritte Tag mit der Schleimkategorie „S+“.

Die Grafik zeigt den Zusammenhang zwischen der Schleimqualität und der Fruchtbarkeit.

Zervixschleim: Die Schleimqualität und die Fruchtbarkeit | Grafik: © cyclotest

Ein Schleimhöhepunkt gilt allerdings nur als ausgewertet, wenn drei Tage in Folge eine schlechtere Schleimqualität beobachtet werden kann. In der Beispielgrafik kannst Du erkennen, dass nach S+H drei schlechtere Qualitäten beobachtet wurden: S, f sowie Ø. Ab dem 19. Zyklustag gilt man in diesem Beispiel als unfruchtbar. Durch die wiederholte monatliche Auswertung wirst auch Du ein sicheres Gefühl für Dein Fruchtbarkeitsfenster bekommen.

Der Zervixschleimhöhepunkt ist bekanntlich der letzte Tag mit der individuell besten Qualität. Was bedeutet das konkret für Dich? Eigentlich ganz einfach: Es ist einfach die beste Zervixschleimqualität, die Du im Zyklus beobachten kannst. Wichtig ist, dass Du den Umschwung zu schlechterer Qualität erkennen lernst und die Schleimqualität drei Tage in Folge schlechter ist.

Für Paare mit Kinderwunsch sind die Kategorien t und ø unbedeutend. Leicht fruchtbarer Schleim besteht bei der Schleimkategorie f. S und S+ sind besonders gute Schleimqualitäten und gelten als für eine Befruchtung optimal. Der Zervixschleimhöhepunkt (S+H) ist natürlich der ideale Tag. Es empfiehlt sich, genau an diesen Tagen Geschlechtsverkehr zu haben, wenn Du Deinen Kinderwunsch erfüllen möchtest.

Zervixschleim und Eisprung

Weil es bei jeder Frau Veränderungen im Laufe eines Monatszyklus gibt, kann man über den Zervixschleim feststellen, wann der Eisprung stattfindet. Unter dem Einfluss der Östrogene kommt es zu den Konsistenzveränderungen des Zervixschleims, um ein Aufsteigen der Samenflüssigkeit zum Eisprungzeitpunkt zu ermöglichen. Man kann davon ausgehen, dass der Ovulationszeitpunkt zwischen 2 Tage vor und 2 Tage nach dem Zervixschleimhöhepunkt liegt.

In einer Studie von Dr. R. Ecochard war der festgestellte Schleimhöhepunkt sogar +/- 1 Tag zum Eisprung.5

Die Grafik zeigt den Zusammenhang zwischen Zervixschleim und Eisprung.

Zusammenhang zwischen Zervixschleim und Eisprung | Grafik: Eigene Darstellung nach Ecochard et al. 2001 (5)

Die Grafik verdeutlicht, dass der Zervixschleim ein sicheres Eisprungzeichen ist. Im Gegensatz dazu steht der Mittelschmerz, dem vielen Frauen vertrauen. Allerdings haben Studien ergeben, dass der gefühlte Schmerz zeitlich meist vom tatsächlichen Eisprungtag abweicht.

Um aber wirklich festzustellen, ob und wann ein Eisprung erfolgt ist, muss zusätzlich noch die Basaltemperatur gemessen und ausgewertet werden. Daher empfiehlt sich die Kombination aus Zervixschleimmethode und Temperaturmethode.

Tipps rund um den Zervixschleim

Wir wollen Dir einige Tipps und Tricks an die Hand geben, damit Du bald Profi bei der Zervixschleimbeobachtung und dessen Auswertung bist. Auch haben wir die Ärztin für Frauenheilkunde, Frau Prof. Dr. Ingrid Gerhard, für Dich nach ihrem Expertenwissen befragt.

Wie oft und wann muss der Zervixschleim beobachtet werden?

Es empfiehlt sich, vor allem am Anfang, den Zervixschleim täglich zu beobachten. Auch während des Tages kann sich die Konsistenz ändern. Nimm für die Analyse die beste Qualität des Tages. Kontrolliere idealerweise vor dem Wasserlassen die Schleimkonsistenz, da ansonsten der Schleim verloren gehen kann.

Die festgestellte Zervixschleimkonsistenz kannst Du in die cyclotest mySense-App eintragen. Bestätigst Du, dass die Zervixschleimqualität mit in die Fruchtbarkeitsanalyse einbezogen werden soll, so wertet diese Deinen Zyklus symptothermal aus, wenn Du gleichzeitig die Basaltemperatur erfasst. Dadurch kann Deine Fruchtbarkeitszeitspanne noch genauer bestimmt werden.

Den Zervixschleim beobachten mit cyclotest mySense.

Auch der Zykluscomputer cyclotest myWay ermöglicht es Dir, zusätzlich die festgestellte Schleimqualität einzugeben. Die App oder der Minicomputer erleichtern dabei das Handling, so dass Du die unterschiedliche Beschaffenheit nicht in ein Zyklusblatt übertragen musst. Außerdem übernehmen diese schnell und sicher die Auswertung.

Wie sicher ist die Zervixschleim-Beobachtung?

Viele fragen sich, ob sie das Sekret richtig identifizieren können und ob es mit physiologischen Messwerten übereinstimmt. Wir haben die Frauenärztin Prof. Dr. Ingrid Gerhard gefragt, ob es ihrer Erfahrung nach den meisten leichtfällt, die Schleimbeobachtung durchzuführen.

Die Expertin für Frauenheilkunde, Prof. Dr. Ingrid Gerhard, antwortet:

Wir von cyclotest haben Prof. Dr. Ingrid Gerhard nach ihrer Expertise befragt.

Prof. Dr. Ingrid Gerhard

Bei normalem Zyklus ist es in der Regel leicht, den Schleim zu beobachten. Allerdings braucht jede Frau eine Weile, um genau herauszufinden, wann und wie lange dieser bei ihr die typische Qualität hat. Das gleichzeitige Messen der Aufwachtemperatur ist wichtig, ebenso das sorgfältige Eintragen der Schleimqualität.

Der Frage der Validität der Selbstbeobachtung wurde in einer Reihe von internationalen Studien nachgegangen. Auch in einer deutschen Studie wurde untersucht, inwiefern die individuelle Einschätzung des Zervixsekrets mit dem tatsächlichen Eisprungtermin zusammenfällt. Dabei lag der Qualitätshöhepunkt des Schleimsymptoms bei 82 % der Zyklen am Tag des ärztlich festgestellten Eisprungtags oder einen Tag davor oder danach.4

In einer weiteren Untersuchung stimmte der beobachtete Schleimhöhepunkt bei 3 von 4 Zyklen mit dem tatsächlichen Ovulationstag bzw. einem Tag davor oder danach überein.5 Auch die WHO hat bereits eine Studie dazu durchgeführt. Darin lag der festgestellte Qualitätshöhepunkt des Sekrets durchschnittlich 0,3 Tage nach dem tatsächlichen LH-Höhepunkt.6 Die Ergebnisse der zahlreichen Studien sprechen für die Aussagekraft der Selbstbeobachtung.

Die Zervixschleimbeobachtung als alleinige Verhütung ist allerdings zu unsicher und sollte daher nur im Rahmen der Natürlichen Familienplanung in Kombination mit der Temperaturmethode angewandt werden. Wünschst Du Dir ein Baby, dann kann der Zervixschleim als alleiniges Eisprunganzeichen natürlich trotzdem hilfreich sein und Dir sagen, wann der ideale Zeitpunkt für ungeschützten Geschlechtsverkehr ist.

Die Anwendung zusammen mit der Basaltemperaturmethode nennt man symptothermale Methode, welche als sicherste natürliche Verhütungsmethode gilt. Die Dokumentation des Schleims am Muttermund in Verbindung mit der Temperatur kann dabei die Sicherheit erhöhen.2

Kann ich meine Zervixschleimqualität verbessern?

Du solltest wissen, dass es möglich ist, die Qualität Deines Zervixschleims zu verbessern. Gerade Frauen mit Kinderwunsch können sich diese Hilfsmittel zunutze machen. Wichtig ist, dass Du viel trinkst, denn so wird der Schleim durchlässiger und flüssiger. Ideal sind Wasser oder Kräutertees.

Auch die Ernährung spielt dabei eine Rolle: Nahrungsmittel, die B-Vitamine enthalten, können die Konsistenz des Gebärmutterhalsschleims ebenfalls optimieren. Beispiele für ideale B-Vitamin-Lieferanten sind Brokkoli, Spinat, Grünkohl, Rosenkohl, Endivien, Hefe, Tomaten oder Orangen.7 Darüber hinaus konnte festgestellt werden, dass schleimlösende Hustenmittel dieselbe Wirkung haben, weshalb sie oftmals bei einer Sterilitätsbehandlung eingesetzt werden.1

Wir haben die Frauenärztin Prof. Dr. Gerhard auch gefragt, ob es Möglichkeiten gibt, die Qualität des Schleims beispielsweise durch Ernährung zu verbessern.

Die Expertin für Frauenheilkunde, Prof. Dr. Ingrid Gerhard, antwortet:

Je besser die Eireifung ist, das heißt je mehr Östrogen vom Follikel im Eierstock produziert wird, desto leichter ist die Schleimqualität zu beurteilen. Je mehr Östrogen, um so klarer und ziehbarer wird der Schleim. Je gesünder und ausgewogener (mit vielen natürlichen Nährstoffen) Sie sich ernähren, um so besser wird der Zyklus und damit die Eireifung funktionieren.

Denn die Hormonproduktion ist von einem ausreichenden Angebot an Vitaminen, Mineralstoffen, Spurenelementen und sekundären Pflanzenstoffen abhängig. Sowohl Über- als auch Untergewicht sind kontraproduktiv. Das heißt: genießen Sie viel Bio-Pflanzenkost, Obst, Vollkorngetreide, aber schränken Sie den Konsum von Fleisch- und Wurstwaren sowie Milchprodukten ein. Die in Fleisch und Milchprodukten enthaltenen Hormone bringen u. U. auch Ihre Hormone durcheinander.

Stimmt die Schleimqualität-Kategorie?

Bei jeder Frau verläuft die Veränderung des Schleims individuell. Manche spüren und sehen nur zum Zeitpunkt des Eisprungs etwas, andere durchlaufen verschiedene Phasen von trocken zu feucht und von klumpig zu durchsichtig und spinnbar. Eine Verminderung der Qualität des Schleims nach dem Eisprung kann jedoch in der Regel immer festgestellt werden.2

Es kann (selten) vorkommen, dass die Einteilung in S und S+ zu grob ist, d. h., dass man innerhalb einer Kategorie zwar eine geringe Qualitätsverminderung wahrnimmt, aber nicht genug, um in die nächstschlechtere Kategorie zu rutschen. Diese geringe Qualitätsverschlechterung stellt dann den Umschwung von der höchsten Zervixschleimqualität zu einer niedrigeren dar. Der letzte Tag der besten Kategorie darf dann als Zervixschleimhöhepunkt markiert werden. Diese Sonderregel darf aber nur angewendet werden, wenn man dies über mehrere Zyklen hinweg feststellt.2

Die Untersuchung des Zervixschleims erfordert Übung und vor allem anfangs ein wenig Geduld. Du solltest Dich im Vorfeld auf jeden Fall ausreichend über die Methode informieren, denn grundlegende Kenntnisse zu den Konsistenzen des Schleims sind erforderlich. Im Praxisbuch „Natürlich & sicher“ findest Du alle notwendigen Informationen zu der Methode.2

Menge: Zu wenig oder zu viel Zervixschleim

Findest Du im gesamten Zyklus eher wenig Sekret und fühlst Dich eher „trocken“, dann schaue, ob Du um den Eisprung herum eine Veränderung wahrnimmst. Kontrolliere dazu täglich, z. B. mittels Toilettenpapier. Du brauchst nur einmal im Zyklus eine gute Zervixschleimqualität. Alternativ zur Abnahme am Scheideneingang kannst Du den Zervixschleim direkt am Gebärmutterhals abnehmen. Führe dazu einen Finger ca. 8-10 cm tief in die Scheide ein. Untersuche diesen dann auf Deinem Finger oder zwischen Zeigefinger und Daumen.

Findest Du eher zu viel Schleim oder erkennst Du wenig Unterschiede im Bereich S und S+, so hilft die sogenannte Binnendifferenzierung. Vergleiche dazu alle guten Schleimkategorien und markiere die „besten“ Tage mit S+. Ein Verdacht auf krankheitsbedingten Ausfluss besteht dann, wenn über mehrere Zyklen hinweg unmittelbar nach der Menstruation und auch nach dem Eisprung die Schleimbeobachtung ständig „feucht“ oder irgendeine gleichbleibende Konsistenz ergibt.

Wenn Du Schwierigkeiten hast, den Zervixschleim festzustellen und/oder auszuwerten, empfiehlt es sich, den Muttermund zu untersuchen. Auch die Beschaffenheit des Muttermunds kann nach bestimmten Regeln den Fruchtbarkeitsstatus bestimmen.

Bedeutung der Zervixschleimmethode

In den 1950er Jahren wurde das Schleimsymptom zum ersten Mal von dem Neurologen John Billings und dem Arzt Josef Rötzer, die unabhängig voneinander arbeiteten, in einem individuellen Regelwerk zur Familienplanung verwertbar gemacht. Die von ihm entwickelte Methodenanleitung wird auch „Ovulation Method“ genannt, bei der die Basaltemperatur ebenfalls mitberücksichtigt wurde.

Später beschäftigte er sich mit der reinen Schleimmethodik, die auch als Billingsmethode bekannt ist. Der Zervixschleim ist neben der Aufwachtemperatur der wichtigste Indikator für Fruchtbarkeit, denn er tritt im Gegensatz zu anderen Eisprunganzeichen regelmäßig auf und kann objektiv beurteilt werden.1

Vorteile der Zervixschleimbeobachtung

Durch das tägliche Prüfen der Zervixschleimkonsistenz können auch Rückschlüsse zum Beginn der Fruchtbarkeit vor dem Eisprung getroffen werden – anders als bei anderen Fruchtbarkeitsindikatoren, wie z. B. der Bestimmung der LH-Konzentration, bei denen zwar der ungefähre Ovulationszeitpunkt zuverlässig ermittelt, das Fruchtbarkeitszeitfenster davor jedoch erst im Nachhinein erkannt wird.1

Die Schleimbeobachtung hat zudem Vorteile bei einem unregelmäßigen Zyklus. Hier rückt der Eisprung meist nach hinten. Die Beobachtung und Auswertung des Schleims des Zervix gibt Dir dann ein sicheres Anzeichen für den Beginn Deiner Fruchtbarkeit.

Hinzu kommt, dass bei der Zervixschleimmethode keinerlei Kosten entstehen. Im Vergleich dazu müssen bei der Hormonmessung regelmäßig Ovulationstests gekauft werden. Zudem schätzen viele Frauen das Auseinandersetzen mit dem eigenen Zyklus und sind positiv überrascht, wie viel man beim Beobachten der individuellen Signale und Symptome über die Vorgänge im Körper lernt.

Zervixschleim als Fruchtbarkeitsanzeichen

Das Zervixsekret ist ein sicherer Hinweis auf Deine fruchtbaren Tage. Diese beginnen mit der Verbesserung der Zervixschleimqualität. Im Zervixsekret wird die Samenflüssigkeit gut geschützt und bleibt befruchtungsfähig. 3 Tage nach dem festgestellten Zervixschleimhöhepunkt gilt eine Frau nach der Zervixschleimmethode als unfruchtbar. Durch das regelmäßige Beobachten der Zervixschleimkonsistenzen über einen Zeitraum von mehreren Monaten kannst Du lernen, die Veränderungen wahrzunehmen und damit Deine Zyklusphasen besser zu bestimmen.

Das Beobachten und Auswerten des Zervixsekrets kann Dir vor allem dabei helfen, Dir Deinen Kinderwunsch schneller zu erfüllen. Zur hormonfreien Verhütung empfiehlt sich die Kombination mit der Auswertung der Temperatur.

Quellen:
1 Raith-Paula, E. et al.: Natürliche Familienplanung heute. Modernes Zykluswissen für Beratung und Anwendung. 5. Auflage. Heidelberg 2013.
2 Malteser Arbeitsgruppe NFP (Hrsg.): Natürlich und sicher. Das Praxisbuch. 18. Auflage. Stuttgart 2011.
3 Murkoff, H.: Schwangerschaft und Geburt: Alles, was Sie wissen müssen. 1. Auflage. München 2012.
4 Gnoth, C. et al.: Wie korrelieren selbstbeobachtete Zyklussymptome mit der Ovulation? Zentralbl Gynäkol, 118: 650-654. 1996.
5 Ecochard et al.: Chronoligical aspects of ultrasonic, hormonal, and other indirect indices of ovulation. BJOG. 108: 822-829. 2001.
6 World Health Organization: Temporal relationship between indices of the fertile period. Fertil Steril. 39: 647-655. 1983.
7 Gnoth, C. et al.: Kinderwunsch. Natürliche Wege zum Wunschkind. 3. Auflage. München 2009.

Was bedeutet der Zervixschleim?
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Kommentare


Johanna 22. Februar 2018 um 16:37

Vielen Dank für den Artikel! Ich wüsste gern: wie viele Tage hintereinander mit S+ sind normal? In manchen Zyklen sind das bei mir weit mehr als drei Tage. Danke!

Antworten

Martin 23. Februar 2018 um 11:25

Hallo Johanna,

man kann nicht generell eine Aussage dazu treffen, wie viele Tage S+ “normal” sind, denn das ist von Frau zu Frau verschieden. Wichtig ist zum einen, dass nach Geschlechtsverkehr nicht irrtümlicherweise Sperma mit dem Zervixschleim verwechselt wird und zum anderen, dass S+H nur einmal festgestellt wird.

Viele Grüße

Dein cyclotest Team

Antworten

Romina 27. Juni 2018 um 14:10

Liebes cyclotest Team,

seit letzter Woche habe ich auch den cyclotest myWay zu Hause und werde demnächst damit starten. Mir stellen sich aber noch ein paar Fragen bzgl. der Auswertung des Zervixschleims.
Wenn ich den Schleimhöhepunkt eindeutig nach drei Tagen mit schlechterer Schleimqualität bestimmen kann, ist es aber doch schon zu spät, um diesen im myWay zu vermerken, oder? Den S+H kann man doch nur spätestens am Tag danach eingeben, oder?

Viele Grüße
Romina

Antworten

Diana 27. Juni 2018 um 14:22

Liebe Romina,
den Zervixschleimhöhepunkt kannst Du jederzeit während der fruchtbaren Phase eingeben, also auch 3 Tage später. Wichtig: Bei früheren Software-Versionen war dies nicht möglich, daher ist es wichtig, immer die aktuelle Software-Version des Zykluscomputers herunterzuladen. Hierfür musst Du die cyclotest mySoftware für den PC/Mac nutzen. Die aktuelle Version ist die 1.31.
Ich hoffe, das hilft Dir weiter.
Viele Grüße aus dem cyclotest Team

Antworten

Romina 28. Juni 2018 um 9:56

Liebe Diana,

dann war ich noch auf dem alten Stand. Vielen Dank für Deine Hilfe!

Viele Grüße
Romina


Hande 8. Februar 2019 um 7:16

Hallo,
wird die mySense Auswertung gefälscht wenn man die Qualität des Zervixschleimes nur ab und zu einträgt? Und kann man diese im Nachhinein von der Wertung ausschließlichen?

Antworten

Birgit 19. Februar 2019 um 12:58

Liebe Hande,
die Qualität des Zervixschleims trägst Du idealerweise jeden Tag ein. Wichtig ist der Eintrag von S+H, also dem Zervixschleimhöhepunkt, der die Auswertung beeinflusst. Hast Du Dich bei mySense in einem Zyklus für die kombinierte Auswertung von Körpertemperatur und Zervixschleim entschieden, so kannst Du die Eingaben nicht mehr ausschließen. Im nächsten Zyklus kannst Du Dich dann wieder für oder gegen die Einbeziehung des Zervixschleims entscheiden.
Viele Grüße
Dein cyclotest Team

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