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Die Konsistenz des Zervixschleims am Muttermund bestimmen.

Zervixschleim bestimmen

Der Zervixschleim ist bei jeder Frau unterschiedlich ausgeprägt und kann sich durch Alter, Lebensweise und Ernährung verändern. Allerdings durchläuft der Zervixschleim im Zyklusverlauf bestimmte Konsistenzumschwünge,t die bei allen Frauen gleich sind. Und genau diese Veränderungen geben Hinweise auf die Zyklusphase und auf den Eisprung.

Die Abbildung zeigt einen spinnbaren Zervixschleim.

Das Tolle an der Zervixschleimbeobachtung ist, dass sie nach einer anfänglichen Übungszeit immer leichter fällt. Die Bestimmung und Analyse des Zervikalschleims ist vor allem Erfahrungssache, kombiniert mit dem Wissen um den Zervixschleim.

Was versteht man unter Zervixschleim?

Unter Zervixschleim versteht man den „Ausfluss“, den Du am Scheideneingang sicherlich schon bemerkt hast. Er wird von den Drüsen im Gebärmutterhals (Zervix) gebildet und hat die Funktion, die Spermien weiterzuleiten sowie das Eindringen von Keimen in die Scheide zu verhindern. Der Zervixschleim ist ein Eisprunganzeichen, welches sich im Laufe eines Zyklus verändert und so Aufschluss über die Fruchtbarkeit der Frau geben kann. Während der unfruchtbaren Phase blockiert der dickflüssige Schleim das Weiterwandern der Spermien, während er in der fruchtbaren Zeit flüssiger wird, die Reise der Spermien zur Gebärmutter begünstigt und somit die Wahrscheinlichkeit für eine Schwangerschaft gesteigert wird.1

Wie verändert sich der Zervixschleim innerhalb eines Zyklus?

Der Gebärmutterhalsschleim verändert sich in Aussehen und Konsistenz aufgrund der hormonellen Einflüsse im Laufe eines Zyklus. Die Beschaffenheit und Menge unterliegt dem Einfluss von Östrogenen und Progesteron. Alle Veränderungen geben Dir präzise Hinweise, in welcher Zyklusphase Du Dich gerade befindest und wann Dein Eisprung erfolgen wird.

Zervixschleim nach der Periode

Am Zyklusbeginn nach der Periode haben die meisten Frauen keinen oder kaum Ausfluss. Bei manchen Frauen fühlt sich der Scheideneingang in der Zeit nach der Menstruation sogar trocken und eher unangenehm an. Einige Tage später stellt sich oftmals ein feuchtes Gefühl ein; bei einigen Frauen ist der Zervixschleim bereits sichtbar und sie spüren ihn. Die Konsistenz des in dieser Zeit meist gelblichen oder weißlichen Sekrets ist cremig und dicklich, oft sogar klumpig und klebrig.2

Die Abbildung zeigt cremigen, klebrigen, oft weißen Zervixschleim, der die Spermien auf den Weg durch die Scheide zur Eizelle behindern. Manche Frauen beschreiben ihn als quark- oder joghurtähnlich oder milchig.

Cremiger, klebriger Zervixschleim | Grafik: © cyclotest

Zervixschleim vor dem Eisprung

Je mehr Du Dich Deinem Eisprung näherst, umso glasiger, transparenter und dünnflüssiger wird der Schleim am Gebärmutterhals. Diese Veränderung wird durch die vermehrte Bildung von Östrogen durch die Drüsen des Gebärmutterhalses verursacht – der Östrogenspiegel steigt. Der Scheideneingang fühlt sich jetzt nass, glitschig und feucht an, der Schleim ist dehnbar und ähnelt rohem Eiweiß. Dieser hat zum Zeitpunkt des Eisprungs die beste Qualität; Spermien werden in dieser Zeit besonders einfach und schnell zur Gebärmutter befördert und die Chancen auf eine Schwangerschaft sind am höchsten. Besteht bei Dir ein Kinderwunsch, solltet ihr an diesen Tagen Sex haben.2

In der Abbildung kannst Du den eiweißartigen Zervixschleim erkennen, der Dir den Hinweis gibt, dass Du fruchtbar bist. Zudem lässt er sich bis zu 5 Zentimeter in die Länge ziehen, ohne zu reißen. Wegen seiner Dehnbarkeit spricht man auch von „Spinnbarkeit“ des Zervikalschleims. Um den Eisprungzeitpunkt wird das Sekret wässriger und dünnflüssiger und Du fühlst Dich feucht. Unter dem Mikroskop findet sich als Ausdruck kristallisierenden Salzes das sogenannte Farnkrautphänomen.

Glasiger und spinnbarer Zervixschleim | Grafik: © cyclotest

Zervixschleim nach dem Eisprung

Nach dem Eisprung verschlechtert sich die Qualität des Zervixschleims wieder, d. h., er wird wieder undurchsichtig, zäh und ist nicht mehr spinnbar; außerdem ist er wieder gelblich oder weißlich. Manchmal verschwindet er sogar komplett. Vor der nächsten Periode finden normalerweise keine Veränderungen des Zervixschleims mehr statt.2

Die Abbildung zeigt einen weißlichen, klumpigen Zervixschleim. Für Spermien ist es extrem schwierig, diese Barriere zu durchdringen. Der Zervixschleim wird oftmals mit Klebstoff verglichen.

Klumpiger und weißer Zervixschleim | Grafik: © cyclotest

Zervixschleim-Auswertung ist mit cyclotest myWay möglich.

Zervixschleim ohne natürlichen Zyklus

Frauen, die hormonell verhüten (beispielsweise mit der Pille), haben oftmals keinen Ausfluss und stellen im Zyklusverlauf auch keine Veränderung fest. Das hängt damit zusammen, dass die Produktion des Gebärmutterhalsschleims vom natürlichen Hormonhaushalt der Frau abhängt.2

Zervixschleim bei einer Schwangerschaft

Ist eine Schwangerschaft eingetreten, so können die hormonellen Veränderungen dazu führen, dass sich die Beschaffenheit des Zervixschleims nach einer Befruchtung verändert. Manche Frauen beobachten eine vermehrte Schleimbildung, oftmals gekennzeichnet durch eine milchige bis flüssige Konsistenz. Doch nicht immer kommt es zu einer Veränderung des Zervikalschleims in der Schwangerschaft. Viele Frauen können weder einen vermehrten noch verminderten Zervixschleim nach einer Einnistung erkennen. Es ist also nicht möglich, durch die Beobachtung des Zervixschleims festzustellen, ob Du schwanger bist.

Vor der Geburt – das können Wochen oder auch Tage sein – werden oftmals größere Mengen Schleim produziert, da sich der Muttermund weitet. Der Zervixschleim kurz vor der Geburt kann durch geplatzte Blutgefäße von rötlicher Farbe sein.3

Was gilt nicht als Zervixschleim?

Vom Zervixsekret zu unterscheiden ist einerseits der Erregungsschleim. Dieser ist ebenso klar und zieht Fäden. Wenn Du erregt bist, kannst Du Deinen Schleim nicht richtig auswerten. Wenn Du unsicher bist, ob es sich um Erregungsschleim handelt, kannst Du ihn in Wasser auflösen. Erregungsschleim löst sich auf, im Gegensatz zum Gebärmutterhalsschleim.

Andererseits muss ein krankhafter Ausfluss unterschieden werden. Meist wird dieser von einem strengen Geruch, Juckreiz oder Brennen begleitet.

Wie beobachte ich meinen Zervixschleim?

Der Zervixschleim kann empfunden, gefühlt und gesehen werden. Alle drei Arten der Beobachtung sind wichtig bei der Dokumentation des Zervixschleims. Die Konsistenz des Zervikalschleims kannst Du prüfen, indem Du vor dem Toilettengang  das Toilettenpapier mit dem Schleim zusammenfaltest und beim Auseinanderfalten nachsiehst, ob dieser spinnbar ist. Du kannst natürlich auch mit dem Finger die Beschaffenheit an der Scheide prüfen.2

Zervixschleim-Kategorien

Der Zervixschleim kann in verschiedene Kategorien eingeteilt werden, und laut den Methoden der Natürlichen Familienplanung (NFP) gibt es dafür bestimmte Abkürzungen, die das Deuten des Zervixschleims vereinfachen. Hier findest Du eine Auflistung der Kategorien mit den entsprechenden Abkürzungen:

Abkürzung Ø

Nichts gesehen, nichts gefühlt, keine Feuchtigkeit, kein Schleim sichtbar oder fühlbar.


Abkürzung t

Nichts gesehen, trockenes Gefühl, kein Schleim sichtbar oder fühlbar, eventuell juckendes unangenehmes Gefühl.


Abkürzung f

Feuchtes Gefühl, kein Schleim sichtbar.


Abkürzung S

Schleim ist dicklich, weißlich, gelblich, klumpig oder cremig, feuchtes Gefühl oder nichts gefühlt.


Abkürzung S+

Schleim ist glasig, durchsichtig, spinnbar, wie rohes Eiweiß, eventuell auch rötlich, dehnbar, fadenziehend, flüssig oder rinnt weg wie Wasser, nasses Gefühl, glitschiger Scheideneingang oder auch nichts gefühlt.


Abkürzung S+H

Der letzte Tag, an dem die beste Zervixschleimqualität der Kategorie S+ festgestellt werden kann, bevor die Qualität sich verschlechtert. Er kann daher erst im Nachhinein erfasst werden. Dieser Tag ist der Zervixschleimhöhepunkt.


Welche Zervixschleimqualität verwenden?

Der Zervixschleim kann sich im Laufe eines Tages verändern. Wichtig ist, dass Du Dein Ergebnis für den Tag erst abends überträgst und die für diesen Tag beste Qualität wählst.

Die Dokumentation des Zervixschleims erfordert Übung und ist anfangs gewöhnungsbedürftig. Achte einfach immer darauf, dass Du konsequent das überträgst, was Du beobachtest, auch wenn der Verlauf im vorherigen Menstruationszyklus anders war.

Wie werte ich den Zervixschleim aus?

Um die Zervixschleimdokumentation auswerten und die fruchtbaren Tage bestimmen zu können, musst Du Deinen Zervixschleimhöhepunkt bestimmen. Dieser Höhepunkt wird immer im Nachhinein festgestellt, da dieser den letzten Tag der besten Zervixschleimqualität darstellt.

Zervixschleimhöhepunkt

Wenn Du an 3 Tagen in Folge die beste Schleimqualität S+ beobachtet hast und am 4. Tag eine Verminderung der Qualität feststellst, so ist der 3. Tag als Schleimhöhepunkt S+H zu markieren.

Die folgende Grafik zeigt den Zusammenhang zwischen den Zervixschleimqualitäten, der Temperatur und dem Ovulationstag. Im Beispiel wurde an Tag 15 die beste Zervixschleimqualität beobachtet. Dies war der dritte Tag mit der Schleimkategorie „S+“.

Die Grafik zeigt den Zusammenhang zwischen der Schleimqualität und der Fruchtbarkeit.

Zervixschleim: Die Schleimqualität und die Fruchtbarkeit | Grafik: © cyclotest

Ein Schleimhöhepunkt gilt allerdings nur als ausgewertet, wenn drei Tage in Folge eine schlechtere Schleimqualität beobachtet werden kann. In der Beispielgrafik kannst Du erkennen, dass nach S+H drei schlechtere Qualitäten beobachtet wurden: S, f sowie Ø. Ab dem 19. Zyklustag gilt man in diesem Beispiel als unfruchtbar. Durch die wiederholte monatliche Auswertung wirst auch Du ein sicheres Gefühl für die fruchtbare Periode bekommen.

Der Zervixschleimhöhepunkt ist bekanntlich der letzte Tag mit der individuell besten Qualität. Was bedeutet das konkret für Dich? Eigentlich ganz einfach: Es ist einfach die beste Zervixschleimqualität, die Du im Zyklus beobachten kannst. Wichtig ist, dass Du den Umschwung zu schlechterer Qualität erkennen lernst und die Schleimqualität drei Tage in Folge schlechter ist.

Für Paare mit Kinderwunsch sind die Kategorien t und ø unbedeutend. Eine leichte Fruchtbarkeit besteht bei der Schleimkategorie f. S und S+ sind besonders gute Schleimqualitäten und gelten als besonders fruchtbar, um schwanger zu werden. Der Zervixschleimhöhepunkt (S+H) ist natürlich der beste Tag. Du solltest also genau an diesen Tagen Geschlechtsverkehr haben, wenn Du Deinen Kinderwunsch erfüllen möchtest.

Zervixschleim und Eisprung

Weil es bei jeder Frau Veränderungen im Laufe eines Monatszyklus gibt, kann man über den Zervixschleim Rückschlüsse auf den Eisprung ziehen. Unter dem Einfluss der Östrogene kommt es zu den Konsistenzveränderungen des Zervixschleims, um ein Aufsteigen der Samenflüssigkeit zum Eisprungzeitpunkt zu ermöglichen. Man kann davon ausgehen, dass der Ovulationszeitpunkt zwischen 2 Tage vor und 2 Tage nach dem Zervixschleimhöhepunkt liegt.

Tipps rund um Anzeichen und Auswertung des Zervixschleims

Wir wollen Dir einige Tipps und Tricks an die Hand geben, damit Du bald Profi bei der Zervixschleimbeobachtung und dessen Auswertung bist. Auch haben wir die Ärztin für Frauenheilkunde, Frau Prof. Dr. Ingrid Gerhard, für Dich nach ihrem Expertenwissen befragt.

Wie oft und wann muss der Zervixschleim beobachtet werden?

Es empfiehlt sich, vor allem am Anfang, den Zervixschleim täglich zu beobachten. Auch während des Tages kann sich die Konsistenz verändern. Nimm für die Analyse die beste Qualität des Tages. Kontrolliere am besten vor dem Wasserlassen die Schleimkonsistenz, da ansonsten der Schleim verloren gehen kann.

Die Zyklusrechner von cyclotest, die durch das Erfassen und Auswerten Deiner Aufwachtemperatur Deinen Fruchtbarkeitsstatus bestimmen können, ermöglichen es Dir, zusätzlich Deinen Zervixschleimhöhepunkt einzugeben. Dadurch kann Deine fruchtbare Phase noch genauer bestimmt werden. Alle weiteren Schleimkategorien kannst Du ebenfalls dokumentarisch hinterlegen. Die Zykluscomputer können Dich entweder beim natürlichen Empfängnisschutz unterstützen, wenn Du derzeit keinen Kinderwunsch hast und wissen möchtest, wann ein Schwangerschaftsrisiko besteht, oder Dir andererseits beim schwanger werden zum Wunschtermin helfen.

Wie sicher ist die Zervixschleim-Beobachtung?

Viele Frauen fragen sich, ob sie das Sekret, welches vom Gebärmutterhals abgesondert wird, richtig identifizieren können und ob es mit physiologischen Messwerten übereinstimmt. Wir haben eine Frauenärztin gefragt, ob es ihrer Erfahrung nach den meisten Frauen leichtfällt, die Schleimbeobachtung durchzuführen.

Die Expertin für Frauenheilkunde, Prof. Dr. Ingrid Gerhard, antwortet:

Wir von cyclotest haben Prof. Dr. Ingrid Gerhard nach ihrer Expertise befragt.

Prof. Dr. Ingrid Gerhard

Für Frauen mit normalem Zyklus ist es in der Regel leicht, den Schleim zu beobachten. Allerdings braucht jede Frau eine Weile, um genau herauszufinden, wann und wie lange dieser bei ihr die typische Qualität hat. Das gleichzeitige Messen der Aufwachtemperatur ist wichtig, ebenso das sorgfältige Eintragen der Schleimqualität.

Der Frage der Validität der Selbstbeobachtung wurde in einer Reihe von internationalen Studien nachgegangen. Auch in einer deutschen Studie wurde untersucht, inwiefern die individuelle Einschätzung des Zervixsekrets mit dem tatsächlichen Eisprungtermin zusammenfällt. Dabei lag der Höhepunkt des Schleimsymptoms bei 82 % der Zyklen am Tag des ärztlich festgestellten Eisprungtags oder einen Tag davor oder danach.4 In einer weiteren Untersuchung stimmte der beobachtete Schleimhöhepunkt der Frauen bei 3 von 4 Zyklen mit dem tatsächlichen Ovulationstag bzw. einem Tag davor oder danach überein.5 Auch die WHO hat bereits eine Studie dazu durchgeführt. Darin lag der festgestellte Höhepunkt des Sekrets durchschnittlich 0,3 Tage nach dem tatsächlichen LH-Höhepunkt.6 Die Ergebnisse der zahlreichen Studien sprechen für die Aussagekraft der Selbstbeobachtung.

Die Zervixschleimbeobachtung als alleiniges Verhütungsmittel ist allerdings zu unsicher und sollte daher nur im Rahmen der Natürlichen Familienplanung in Kombination mit der Temperaturmethode angewandt werden. Wünscht Du Dir ein Baby, dann kann der Zervixschleim als alleiniges Eisprunganzeichen natürlich trotzdem hilfreich sein und Dir andeuten, wann Du fruchtbar bist.

Die Anwendung zusammen mit der Basaltemperaturmethode nennt man symptothermale Methode, welche als sicherste natürliche Verhütungsmethode gilt. Die Dokumentation des Muttermundschleims in Verbindung mit der Temperatur kann Dich also bei der natürlichen Verhütung unterstützen oder Dir dabei helfen, Deinen Kinderwunsch schneller zu erfüllen.2

Kann ich meine Zervixschleimqualität verbessern?

Du solltest wissen, dass es möglich ist, die Qualität Deines Zervixschleims zu verbessern. Gerade bei Frauen mit Kinderwunsch können sich diese Hilfsmittel zunutze machen. Wichtig ist, dass Du viel trinkst, denn so wird der Schleim durchlässiger und flüssiger. Am besten sind Wasser oder Kräutertees. Auch die Ernährung spielt dabei eine Rolle: Nahrungsmittel, die B-Vitamine enthalten, können die Konsistenz des Gebärmutterhalsschleims ebenfalls optimieren. Beispiele für ideale B-Vitamin-Lieferanten sind Brokkoli, Spinat, Grünkohl, Rosenkohl, Endivien, Hefe, Tomaten oder Orangen.7 Darüber hinaus konnte festgestellt werden, dass schleimlösende Hustenmittel dieselbe Wirkung haben, weshalb sie oftmals bei einer Sterilitätsbehandlung eingesetzt werden.1

Wir haben die Frauenärztin, Prof. Dr. Gerhard, auch gefragt, ob es Möglichkeiten gibt, die Qualität des Schleims beispielsweise durch Ernährung zu verbessern.

Die Expertin für Frauenheilkunde, Prof. Dr. Ingrid Gerhard, antwortet:

Je besser die Eireifung ist, das heißt je mehr Östrogen vom Follikel im Eierstock produziert wird, desto leichter ist die Schleimqualität zu beurteilen. Je mehr Östrogen, umso klarer und ziehbarer wird der Schleim. Je gesünder und ausgewogener (mit vielen natürlichen Nährstoffe) Sie sich ernähren, desto besser wird der Zyklus und damit die Eireifung funktionieren. Denn die Hormonproduktion ist von einem ausreichenden Angebot von Vitaminen, Mineralstoffen, Spurenelementen und sekundären Pflanzenstoffen abhängig. Sowohl Über- als auch Untergewicht sind kontraproduktiv. Das heißt: genießen Sie viel Bio-Pflanzenkost, Obst, Vollkorngetreide, aber schränken Sie den Konsum von Fleisch- und Wurstwaren sowie Milchprodukten ein. Die in Fleisch und Milchprodukten enthaltenen Hormone bringen u. U. auch Ihre Hormone durcheinander.

Stimmt die Zervixschleim-Kategorie?

Bei jeder Frau verläuft die Veränderung des Schleims vom Zervix individuell. Manche Frauen spüren und sehen nur zum Zeitpunkt des Eisprungs etwas, andere durchlaufen verschiedene Phasen von trocken zu feucht und von klumpig zu glasig und dehnbar. Eine Verminderung der Qualität des Schleims nach dem Eisprung kann jedoch in der Regel immer festgestellt werden.2

Es kann (selten) vorkommen, dass die Einteilung in S und S+ zu grob ist, d. h., dass man innerhalb einer Kategorie zwar eine geringe Qualitätsverminderung wahrnimmt, aber nicht genug, um in die nächstschlechtere Kategorie zu rutschen. Diese geringe Qualitätsverschlechterung stellt dann den Umschwung von der höchsten Zervixschleimqualität zu einer niedrigeren dar. Der letzte Tag der besten Kategorie darf dann als Zervixschleimhöhepunkt markiert werden. Diese Sonderregel darf aber nur angewendet werden, wenn man dies über mehrere Zyklen hinweg feststellt.2

Die Untersuchung des Zervixschleims erfordert Übung und vor allem anfangs ein wenig Geduld. Du solltest Dich im Vorfeld auf jeden Fall ausreichend über die Methode informieren, denn grundlegende Kenntnisse zu den Konsistenzen des Schleims sind erforderlich. Im Praxisbuch „Natürlich & sicher“ der Arbeitsgruppe NFP findest Du alle notwendigen Informationen zu der Methode.

Menge: Zu wenig oder zu viel Zervixschleim

Findest Du im gesamten Zyklus eher wenig Sekret und fühlst Dich eher “trocken”, dann schaue, ob Du um den Eisprung herum eine Veränderung wahrnimmst. Kontrolliere dazu täglich, z. B. mittels Toilettenpapier. Du brauchst nur einmal im Zyklus eine gute Zervixschleimqualität. Alternativ zur Abnahme am Scheideneingang kannst Du den Zervixschleim direkt am Gebärmutterhals abnehmen. Führe dazu einen Finger ca. 8-10 cm tief in die Scheide ein. Untersuche dann den Zervixschleim auf Deinem Finger.

Findest Du eher zu viel Schleim oder erkennst Du wenig Unterschiede im Bereich S und S+, so hilft die sogenannte Binnendifferenzierung. Dazu vergleiche alle guten Schleimkategorien und markiere die „besten“ Tage mit S+. Ein Verdacht auf krankheitsbedingten Ausfluss besteht dann, wenn über mehrere Zyklen hinweg unmittelbar nach der Menstruation und auch nach dem Eisprung ständig „feucht“ oder irgendeine gleichbleibende Art von Sekret beobachtet wird.

Wenn Du Schwierigkeiten hast, den Zervixschleim festzustellen und/oder auszuwerten, empfiehlt es sich den Muttermund zu untersuchen, um nach bestimmten Regeln den Fruchtbarkeitsstatus zu bestimmen.

Bedeutung der Zervixschleimmethode

In den 1950er Jahren wurde das Schleimsymptom zum ersten Mal von dem Neurologen John Billings und dem Arzt Josef Rötzer, die unabhängig voneinander arbeiteten, in einem individuellen Regelwerk zur Familienplanung verwertbar gemacht. Die von Billings entwickelte Methodenanleitung wird auch „Ovulation Method“ genannt, bei der die Basaltemperatur ebenfalls mitberücksichtigt wurde. Später beschäftigte er sich mit der reinen Schleimmethodik, die auch als Billingsmethode bekannt ist. Der Zervixschleim ist neben der Aufwachtemperatur der wichtigste Indikator für Fruchtbarkeit, denn er tritt im Gegensatz zu anderen Eisprunganzeichen regelmäßig auf und kann objektiv beurteilt werden.1

Vorteile der Zervixschleimbeobachtung

Durch das tägliche Prüfen der Zervixschleimkonsistenz können auch Aussagen zum Beginn der fruchtbaren Phase vor dem Eisprung getroffen werden – anders als bei anderen Fruchtbarkeitsindikatoren, wie z. B. der Bestimmung der LH-Konzentration, bei denen zwar der ungefähre Ovulationszeitpunkt zuverlässig ermittelt, die fruchtbare Zeit davor jedoch erst im Nachhinein erkannt wird.1 Hinzu kommt, dass bei der Zervixschleimmethode keinerlei Kosten entstehen. Im Vergleich dazu müssen bei der Hormonmessung regelmäßig Ovulationstests gekauft werden. Zudem schätzen viele Frauen das Auseinandersetzen mit dem eigenen Zyklus und sind positiv überrascht, wie viel man beim Beobachten der individuellen Signale und Symptome über die Vorgänge im Körper lernt.

Zervixschleim als Fruchtbarkeitsanzeichen

Das Zervixsekret kann ein guter Hinweis auf Deine fruchtbaren Tage sein und gilt als eines der sicheren Eisprung Symptome. Die fruchtbare Zeit beginnt mit der Verbesserung der Zervixschleimqualität. Im Zervixsekret wird die Samenflüssigkeit gut geschützt und bleibt befruchtungsfähig. 3 Tage nach dem festgestellten Zervixschleimhöhepunkt gilt eine Frau nach der Zervixschleimmethode als unfruchtbar. Durch die regelmäßige Beobachtung der Zervixschleimkonsistenzen über einen Zeitraum von mehreren Monaten kannst Du lernen, die Veränderungen wahrzunehmen und damit Deine fruchtbaren Tage besser zu bestimmen.

Die Beobachtung und Auswertung des Zervixsekrets kann Dir vor allem dabei helfen, Dir Deinen Kinderwunsch schneller zu erfüllen. Zur Verhütung empfiehlt sich die Kombination mit der Auswertung der Temperatur. Falls Du noch ein hormonelles Verhütungsmittel verwendest, musst Du zunächst die Pille absetzen.

Quellen:
1 Raith-Paula, E. et al.: Natürliche Familienplanung heute. Modernes Zykluswissen für Beratung und Anwendung. 5. Auflage. Heidelberg 2013.
2 Malteser Arbeitsgruppe NFP (Hrsg.): Natürlich und sicher. Das Praxisbuch. 18. Auflage. Stuttgart 2011.
3 Murkoff, H.: Schwangerschaft und Geburt: Alles, was Sie wissen müssen. 1. Auflage. München 2012.
4 Gnoth, C. et al.: Wie korrelieren selbstbeobachtete Zyklussymptome mit der Ovulation? Zentralbl Gynäkol, 118: 650-654. 1996.
5 Ecochard et al.: Chronoligical aspects of ultrasonic, hormonal, and other indirect indices of ovulation. BJOG. 108: 822-829. 2001.
6 World Health Organization: Temporal relationship between indices of the fertile period. Fertil Steril. 39: 647-655. 1983.
7 Gnoth, C. et al.: Kinderwunsch. Natürliche Wege zum Wunschkind. 3. Auflage. München 2009.


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