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PCO-Syndrom

PCO bzw. PCOS ist die häufigste hormonelle Störung bei Frauen im gebärfähigen Alter. Das polyzystische Ovarialsyndrom/Ovarsyndrom ist erblich bedingt und kann durch Umwelteinflüsse unterschiedlich stark auftreten. Das PCO-Syndrom ist nicht heilbar, aber die Beschwerden lassen sich gut in den Griff bekommen.

Polyzystische Eierstöcke beim PCO Syndrom.
Inhaltlich geprüft von Dr. med. Heidi Gößlinghoff - Gynäkologin und Expertin auf cyclotest Dr. med. Heidi Gößlinghoff
Du bist von PCO betroffen und fragst Dich: Kann ich trotz PCO schwanger werden?
Kurz vorweg: Es ist möglich! Erfahre, welche Behandlungsmöglichkeiten es nach einer PCO-Diagnose in Verbindung mit einem bislang unerfüllten Kinderwunsch gibt.

Was ist das PCO-Syndrom (PCOS)?

Unregelmäßige Menstruation, starke Körperbehaarung, Übergewicht, Akne und ggf. ein unerfüllter Kinderwunsch: Kommen Dir diese Anzeichen bekannt vor? Dann könntest Du unter dem PCO-Syndrom leiden. Ob Du schwanger werden möchtest oder nicht: Die Beschwerden der Hormonstörung können gelindert werden.

Hinter der Abkürzung PCO verbirgt sich das polyzystische Ovarialsyndrom bzw. Ovarsyndrom (früher Stein-Leventhal-Syndrom). Es handelt sich dabei um eine hormonell bedingte Erkrankung. Diese stellt bei geschlechtsreifen Frauen die häufigste Ursache für Zyklusstörungen, einen erhöhten Androgenspiegel (männliche Sexualhormone) und Unfruchtbarkeit dar.

Die am PCO-Syndrom beteiligten Hormone sind die weiblichen Geschlechtshormone (Östrogene), die männlichen Geschlechtshormone (Androgene wie Testosteron), das luteinisierende Hormon (LH) sowie das Follikel-stimulierende Hormon (FSH). Für die Krankheitssymptome des PCO-Syndroms spielen Störungen in den komplexen Regulationsmechanismen dieser Hormone die entscheidende Rolle.

PCO ist sehr weit verbreitet: Die Erkrankung kommt bei 5 bis 12 % aller Frauen im gebärfähigen Alter vor.1 Im Vergleich zu ihrer Häufigkeit ist die Hormonstörung bei den meisten Frauen relativ unbekannt.

PCO-Syndrom: Was sind die Ursachen?

Die Ursachen bzw. die Entstehung des PCO-Syndroms sind noch nicht vollständig erforscht. Sicher scheint, dass der Zuckerstoffwechsel und das Stoffwechselhormon Insulin bei PCO von Bedeutung sind.

Bei der Entstehung soll aber auch die genetische Veranlagung eine Rolle spielen: Betroffene Frauen haben öfter Mütter mit PCO-Syndrom oder Väter, die hormonell bedingt bereits früh eine Glatze bekommen. Auch soll ein Überschuss an männlichen Hormonen zur Entstehung beitragen. PCO wird außerdem durch den heute vielfach vorherrschenden Lebensstil mit fettreicher und zuckerreicher Ernährung sowie Fertigprodukten bei gleichzeitig zu wenig Bewegung begünstigt.

Deshalb geht PCOS oftmals mit Übergewicht und einem gestörten Zuckerstoffwechsel bis hin zu Typ-II-Diabetes einher. Es kann dann vorkommen, dass der Körper kaum mehr auf das Insulin reagiert, weil es im Übermaß ausgeschüttet wird – eine sog. Insulin-Resistenz. Das Insulin regt außerdem den Körper dazu an, dass vermehrt Energie als Fettreserve gespeichert wird – ein Teufelskreis. Des Weiteren, aber die Studienlage ist nicht ganz klar, werden Umweltgifte und endokrine Disruptoren als Ursache/Verstärkung des Syndroms angesehen.

Welche Symptome sind typisch für das PCO-Syndrom?

Folgende Symptome sind bei der Diagnostik von PCOS typisch:2

  • zu seltene oder ausbleibende Menstruationsblutung
  • männliche und vermehrte Behaarung und/oder Haarausfall durch erhöhten Spiegel männlicher Sexualhormone im Blut
  • Eierstöcke mit Zysten und vergrößerte Eierstöcke (polyzystische Ovarien)
  • Zyklusstörungen, verkürzte zweite Zyklushälfte (Gelbkörperschwäche)
  • zu seltener oder ausbleibender Eisprung (trotz Anstieg des LH-Hormons und positivem Ovulationstest)
  • ein zu hoher Blutzuckerspiegel/Insulinspiegel (Insulinresistenz: Die Zellen reagieren unempfindlich auf Insulin. Dadurch besteht das Risiko, an Diabetes mellitus zu erkranken.)
  • Akne
  • Adipositas oder Übergewicht (50-70% der Patientinnen; 30-50 % sind auch schlank!)
  • hoher Blutdruck (v. a. durch metabolisches Syndrom/Fettwechselstörung)
  • psychosomatische Folgen

Auch die Beendigung der Pilleneinnahme kann das hormonelle Gleichgewicht stören und ähnliche Symptome wie bei PCO hervorrufen.4 Diese sind in der Regel jedoch vorübergehend.

Bei PCOS treten typische Symptome auf.

PCOS: Typische Symptome

Die Grafik zeigt, welche Symptome bei betroffenen PCOS-Patientinnen auftreten. Mehrfachnennungen waren möglich.

Im Nachfolgenden haben wir Dir die wichtigsten Symptome näher erläutert:

Zyklusstörungen bei PCO

Beim PCO-Syndrom liegen meist Zyklusstörungen vor, bei denen die Abstände zwischen den Regelblutungen unregelmäßig sind und meist immer größer werden. Neben einem unregelmäßigen Zyklus können bei PCOS auch Zwischenblutungen auftreten.

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PCO verursacht ausbleibende oder seltene Menstruationsblutung

Das PCO-Syndrom kann zu einem Ausbleiben der Monatsblutung mit einem fehlenden Eisprung führen (Amenorrhoe). Bei einem Abstand zwischen zwei Blutungen von mehr als 35 Tagen (jedoch weniger als 3 Monaten) spricht man von einer seltenen Menstruationsblutung; in der Fachsprache Oligomenorrhö. Die Ovulation erfolgt hierbei zu selten oder bleibt ganz aus.

Wenn die Periode ausbleibt oder in seltenen Abständen eintritt, muss das allerdings nicht zwangsläufig bedeuten, dass ein PCO-Syndrom vorliegt – die Ursachen können auch hoher körperlicher oder seelischer Stress oder Unterernährung sein.

PCO-Symptom: Vermehrte Körperbehaarung und/oder Haarausfall

PCO bringt den Hormonhaushalt durcheinander: Bei Hyperandrogenämie bzw. Hyperandrogenismus handelt es sich um eine hormonelle Störung, bei der zu viel Androgen ausgeschüttet wird. Androgene wie das Testosteron führen zu einer „Vermännlichung“ der Körper- und Geschlechtsorgane, z. B. vermehrte Körperbehaarung (der sogenannte Hirsutismus) und Haarwuchs im Gesicht.

Beispielsweise wachsen durch die männlichen Hormone im Blut Schamhaare auch auf den Oberschenkeln und/oder am unteren Bauch. Vielen PCO-Patientinnen wächst auch ein Oberlippenbart durch die männlichen Geschlechtshormone. Androgene verursachen aber auch einen Ausfall der Haare.

Eierstöcke mit Zysten bei PCO

Bei PCOS-Patientinnen kommt es zu einer Vergrößerung des Eierstocks (Ovar) durch Zystenbildung, einem sogenannten polyzystischen Ovar. Dabei reifen viele Eizellen heran. Die Eibläschen können allerdings nicht ausreifen und verkümmern vorzeitig. Es kommt daher nicht zum Eisprung (Anovulation). Der Follikel vergrößert sich zystenartig. Es gibt zum einen die kleinen Primärfollikel bis 0,5 cm, das sind keine Zysten, aber die perlschnurartige Anordnung  unter der Eierstockhülle ist das typische Ultraschallbild. Dann kommt es, aber seltener, zu nicht gesprungenen Eizellbläschen mit einem Durchmesser von mehr als 2 cm. Nicht immer bildet der Follikel eine Zyste.

Das Vorliegen von Zysten (sind eher die kleinen Primärfollikel) in den Eierstöcken (polyzystische Ovarien) kann mittels eines Ultraschalls festgestellt werden. In den Eierstöcken sind bei der Ultraschalluntersuchung etliche kleine schwarze „Löcher“ zu erkennen.

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Durch das alleinige Vorkommen der Eierstöcke mit Zysten lässt sich allerdings keine Aussage über ein Vorliegen des PCO-Syndroms treffen. Dies liegt daran, dass bei bis zu 23 % aller Frauen mit normalem Menstruationszyklus polyzystische Ovarien nachweisbar sind.5 PCO ist also keine reine Ultraschalldiagnose.

PCO-Symptom: Übergewicht

Frauen mit PCOS sind meist übergewichtig oder fettleibig. Der Grund liegt darin, dass die Körperzellen beim PCO-Syndrom unempfindlicher auf Insulin reagieren (die sogenannte Insulinresistenz).2 Der Organismus schüttet immer mehr Insulin aus, was aber die Produktion der männlichen Hormone ankurbelt. Zugleich fördert der erhöhte Insulinspiegel die Speicherung von aus der Nahrung gewonnener Energie in den Zellen (Fettdepots), anstatt sie zu verbrennen.

Die männlichen Hormone (Androgene) können sich wiederum in Östrogen umwandeln, bevorzugt im Fettgewebe.

Psychosomatische Folgen

Das Krankheitsbild PCOS wird nicht nur durch körperliche Krankheitszeichen geprägt. Es hat auch deutliche Folgen für die Psyche.

Die Symptome bedeuten für die Patientinnen oftmals eine massiv eingeschränkte Lebensqualität, Unzufriedenheit mit ihrem Leben und der Sexualität.

Diagnose: Wie merkt man, dass man PCOS hat?

Wenn 2 von 3 PCO-Krankheitszeichen vorliegen, wird von einem PCO-Syndrom ausgegangen.3 Der Arzt kann die Diagnose PCO stellen, wenn mindestens 2 der 3 sog. Rotterdam-Kriterien zutreffen:

  1. unregelmäßige oder keine Regelblutung
  2. verstärkte Körperbehaarung und/oder Haarausfall
  3. polyzystische Ovarien

Dies heißt aber nicht, dass damit definitiv eine PCO-Erkrankung feststeht. Die oben aufgeführten Symptome können nämlich auch von Stoffwechselkrankheiten, von chronischer Schilddrüsenentzündung (z. B. bei Hashimoto) oder von einer Schwäche der Hypophyse herrühren, die dann zu wenig Hormone ausschüttet. Es sollte auch ausgeschlossen werden, dass die übermäßige Androgenproduktion durch die Nebennieren erfolgt.

Zur Diagnose des PCO-Syndroms ist es daher zunächst wichtig festzustellen, ob es sich um unregelmäßige Menstruationszyklen mit seltenen oder ausbleibenden Eisprüngen handelt.

Möglicher Zyklusverlauf bei PCO-Syndrom: Kein Eisprung und Anstieg der Basaltemperatur

Möglicher Zyklusverlauf bei PCO-Syndrom

Dabei hilft das Monitoring des eigenen Zyklusgeschehens. Aber keine Angst, hierzu gibt es mittlerweile ausgereifte Tools, die sogar zur Verhütung zugelassen sind und im Kern folgendes Ziel verfolgen: Herauszufinden, wann im Zyklus der Eisprung stattfindet und daraus entsprechend die Fruchtbarkeit ableiten. Wie das funktioniert? Die cyclotest mySense-App bspw. berechnet mithilfe der Basaltemperatur, die morgendlich gemessen werden muss, ob ein Eisprung stattgefunden hat. Weitere Eisprung-Symptome wie die Zervixschleimkonsistenz können ergänzt werden. Zyklusdauer sowie Menstruation werden ebenfalls ausgewertet.

Auf dieser Basis wird ein ausführliches Gespräch mit der Patientin geführt. Darin geht es beispielsweise um den Beginn der ersten Monatsblutung, den Menstruationszyklus und die Familiengeschichte.

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cyclotest mySense und cyclotest myWay können die Diagnose von PCO erleichtern. Da die Zyklen bei PCO meist länger sind als 46 Tage, sind cyclotest mySense und cyclotest myWay für den Kinderwunsch oder zur Verhütung nur bedingt geeignet. Die Tools können bei einer Zykluslänge zwischen 23 und 45 Tagen verwendet werden.

Wie kann man das PCO-Syndrom behandeln?

Bei der Behandlung wird zunächst unterschieden, ob bei der Patientin ein Kinderwunsch besteht oder nicht. Ohne Kinderwunsch wird oftmals die Antibabypille eingesetzt, da dadurch die Bildung männlicher Hormone wie Androgene gehemmt wird.

Bei Frauen mit Kinderwunsch scheidet diese Behandlungsmethode aus und es wird oftmals eine Therapie mit Clomifen angewendet, welches die Eisprungproduktion anregt. Sollte diese Behandlung erfolglos bleiben, kann auch eine Hormontherapie mit Gonadotropin helfen. Hierbei besteht aber das Risiko, dass es zu einer plötzlichen und übermäßigen Bildung von Eizellen kommt. Durch die höhere Anzahl an produzierten Eizellen steigt die Wahrscheinlichkeit für Mehrlingsgeburten.

Ernährung & Bewegung bei PCOS

Ob Babywunsch oder nicht: Grundsätzlich sollte die Ernährung bei PCOS umgestellt werden. Der Grund hierfür ist, dass die Erkrankung häufig als Auslöser weiterer Krankheiten gilt:

  • Diabetes mellitus Typ 2
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • Gestationsdiabetes
  • bestimmte Krebsarten

Gut orientieren kann man sich hierbei an der LOGI-Pyramide. Als Ernährungsgrundlage werden beim PCO-Syndrom stärkearme Gemüse, Salate und Früchte empfohlen, die mit eiweißreichen Lebensmitteln kombiniert werden sollten. Außerdem spielt die Qualität der Speisefette eine Rolle. Beispielsweise sollten einfach ungesättigte Fettsäuren verwendet werden und auf ein günstiges Verhältnis von Omega-6- zu Omega-3-Fettsäuren geachtet werden.7

Ernährung bei PCO-Syndrom: Essen nach der LOGI-Pyramide

Was essen bei PCO-Syndrom?

Bei übergewichtigen Frauen führt in vielen Fällen eine Gewichtsabnahme bereits zur Besserung der PCOS-Symptome. Verändern betroffene Frauen den Lebensstil und die Ernährung, kann dies schon dazu beitragen, den gestörten Hormonhaushalt wieder in den Griff zu bekommen.

Abnehmen oder auch nur mehr Bewegung führen schon bei 10 % der betroffenen übergewichtigen Frauen mit PCOS dazu, dass der Zyklus wiederkehrt und sich der Androgenspiegel normalisiert.4 Allein eine Reduzierung des Gewichts um 5 % verringert die PCOS-Symptome erheblich.2 Die Gewichtsabnahme ist jedoch oft durch Insulinresistenz erschwert!

PCO-Syndrom: Psychologische Betreuung der Patientinnen

Psychische Belastungen sollten unbedingt ernst genommen werden und in Selbsthilfegruppen oder beim Arzt besprochen werden. Denn auch bei dieser Krankheit gilt wie bei allen anderen, dass sowohl die körperlichen als auch die psychischen Aspekte berücksichtigt werden sollten.

Polyzystisches Ovarialsyndrom: Therapie mit Medikamenten

Zur Reduzierung der „Insulinresistenz“ können beim PCO-Syndrom auch Medikamente als Therapie zum Einsatz kommen:

  • Metformin oder Glitazon: beide Medikamente kommen bei einer Behandlung von Diabetes mellitus Typ 2 zum Einsatz. Unter Umständen haben sie auch die Wirkung, die androgenbedingten Probleme zu verbessern. Studien zeigen, dass auch ohne Vorliegen von Diabetes diese Medikamente dazu beitragen können, dass die Anzahl der Eisprünge bei den betroffenen Frauen um das fünf- bis zehnfache zunimmt.2
  • Clomifen oder Letrozol:8 Die Hormontherapie mit diesen Medikamenten kann Nebenwirkungen haben.9
  • FSH-Präparat: Schlanke Frauen können ein FSH-haltiges Präparat einnehmen, das die Bildung von Eibläschen anregt.
  • Schwangerschaftshormon hCG: Wenn sich die Eibläschen gebildet haben, kann der Eisprung über das Schwangerschaftshormon hCG ausgelöst werden.
  • Neurohormon GnRH: Unterstützt die Bildung der Follikel und löst die Ovulation aus.10
  • Antibabypille: Liegt kein Babywunsch vor, so wird auch oftmals eine Antibabypille mit antiandrogener Komponente verordnet. Diese Therapie verhindert die Bildung männlicher Hormone im Körper. Außerdem schützt das enthaltene Progestin die Gebärmutterschleimhaut vor übermäßigem Wachstum. Die Pille ist jedoch nicht für jede Frau geeignet. Insbesondere bei PCOS hat die Einnahme von Kombinationspräparaten auch eine negative Wirkung. Sie erhöht beispielsweise das Risiko für eine Thrombose.11

Metformin kann auch ohne Vorliegen von Kinderwunsch gegeben werden, ebenso wie die Pille. Clomifen, Letrozol, FSH, GnRH und HCG nur im Rahmen einer Sterilitätstherapie, Glitazon hat viele Nebenwirkungen.

Quellen:

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