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Die Hormonspirale zur Vermeidung einer Schwangerschaft birgt auch Risiken.

Wie wirkt die Hormonspirale?

Eine Hormonspirale ist ein Verhütungsmittel, das direkt in die Gebärmutter eingesetzt wird. Es handelt sich um ein T-förmiges Kunststoffstäbchen, welches eine bestimmte Hormondosis abgibt. Dadurch können Spermien nicht mehr zur Eizelle vordringen.

Sie heißen Jaydess, Mirena oder Kyleena: Hormonspiralen (neuerdings auch verniedlichend Verhütungsschirmchen genannt) werden immer häufiger als Alternative zur Antibabypille empfohlen, auch und besonders bei abgeschlossener Familienplanung. Denn im Vergleich zu ihr kann man eine Spirale nicht vergessen oder ihre Wirksamkeit beeinträchtigen. Das enthaltene Hormon stellt übrigens auch den größten Unterschied im Vergleich zur Kupferspirale dar.
Nach dem Einlegen gibt die Hormonspirale das Gestagen Levonorgestrel ab. Es bewirkt, dass sich der Zervixschleim im Gebärmutterhals verdickt und somit für Spermien undurchlässiger wird; außerdem wird der Aufbau der Gebärmutterschleimhaut reduziert, wodurch sich eine evtl. befruchtete Eizelle kaum einnisten kann. Die Regelblutung ist bei Frauen, die mit der Hormonspirale verhüten, häufig schwächer und kürzer; bei der Menstruation kann aber auch eine ungewöhnlich starke Regelblutung auftreten und lang anhalten – oder sie kann vollständig entfallen.

Welche Hormone sind enthalten?

Die Wirksamkeit von Hormonspiralen beruht auf Levonorgestrel, einem künstlichen Gestagen, das dem natürlichen Gelbkörperhormon ähnelt. Problem: Wird die eigene Hormonproduktion jahrelang unterdrückt, kann das dazu führen, dass sie später nicht mehr „anspringt“.1

Warum die Hormonspirale nicht lokal wirken kann

Die vermeintlich lokale Wirkung der Hormonspirale in der Gebärmutter entspricht nicht den Tatsachen, wie Untersuchungen2 und auch Nachfragen beim Hersteller3 ergaben. Was eigentlich logisch ist: Hormone zirkulieren im Blutkreislauf, und der erstreckt sich nun mal über den ganzen Körper. Das erklärt auch, warum es im Vergleich zu einer Testgruppe bei Anwenderinnen von Hormonspiralen zu einer höheren Ausschüttung des Stresshormons Cortisol und zu einer erhöhten Herzfrequenz kam, wenn man sie sozialem Stress aussetzte.4 Es wird aber auch damit geworben, dass der Hormonhaushalt der Frauen nicht beeinflusst würde. Wenn das stimmen würde, stellt sich die Frage, wozu die Hormone dann eingesetzt werden. Die Wirkweise der Hormonspirale haben wir in einem Vergleich der Verhütungsmethoden dargestellt.

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Nachteile der Hormonspirale

Die Hormonspirale hat unter Umständen einige Nachteile, die man berücksichtigen sollte. Diese können sowohl die Beratung betreffen als auch das Einlegen, das Tragen und das Entfernen. Diese Nachteile müssen nicht zwangsläufig eintreten, aber kennen sollte man sie – für den Fall der Fälle. Viele Anwenderinnen bemerken auch keine Nebenwirkungen, ob man sich also für oder gegen eine solche Spirale entscheidet, hängt vom Einzelfall ab.

Schmerzen beim Einsetzen

Dieser Punkt wird in vielen Foren diskutiert, und das Risiko von Schmerzen beim Einlegen der Hormonspirale kann sich wohl auf der ganzen Bandbreite bewegen – von nicht vorhanden bis sehr schlimm. Eine seriöse Prognose dazu ist schwierig, da das Schmerzempfinden immer sehr individuell ist. Da die Hormonspirale in der Gebärmutterwand verankert wird, ist dieser Vorgang prinzipiell auch spürbar.

Welche Nebenwirkungen hat die Hormonspirale?

Die im Beipackzettel aufgeführten Nebenwirkungen dieser Verhütungsmethode sind nicht ungewöhnlich und ähnlich zu den Nebenwirkungen der Pille: Kopf- und Bauchschmerzen, Entzündungen der Scheide, Libidoverlust, Eierstockzysten, Brustspannen, Gewichtszunahme, Migräne, Übelkeit, Nervosität und andere mehr. Laut britischen Studien ließen sich 46-57 % (je nach Spiralentyp) der Probandinnen die Spirale deswegen vorzeitig entfernen.5, 6 Einzelne Hormonspiralen stehen im Verdacht, Depressionen, Ängste, Panikattacken, Schlafstörungen und innere Unruhe auszulösen.2, 7

Warum wird die Hormonspirale dennoch so häufig empfohlen?

Die Hormonspirale hat zweifelsohne einige Vorteile, die Frauen veranlassen, sich für sie zu entscheiden, allen voran der Vorteil, dass die Verhütung nicht vergessen werden kann. Wenn Frauen allerdings nicht ausreichend aufgeklärt werden, sei es durch den Arzt oder dadurch, dass sie den Beipackzettel nicht erhalten, fehlt ihnen natürlich der umfassende Überblick über dieses Produkt.

Unwissenheit der Frauenärzte

Man mag es kaum glauben, aber der Arzt oder die Ärztin sind tatsächlich oftmals davon überzeugt, dass das hormonelle Wirkmittel im Kunststoffstäbchen nur lokal wirkt. Über die Ursachen kann man nur rätseln, denn eigentlich ist es nicht vorstellbar, dass Ärzte über die Wirkweise des Hormonhaushalts und der Spirale so schlecht informiert und Frauen daher so schlecht aufgeklärt sind. Andererseits heißt es im Beipackzettel: „Dieses Arzneimittel enthält einen Stoff, dessen Wirkungen bei intrauteriner Anwendung in der medizinischen Wissenschaft noch nicht allgemein bekannt sind.“8

Finanzielle Anreize

Ein weiteres Problem, das der häufigen Verordnung von Hormonspiralen zugrunde liegt, könnte sein, dass viele Fortbildungen für Frauenärzte oftmals von der Pharmaindustrie gesponsert sind.9 Ärzte müssen sich berufsbegleitend weiterbilden, und da ist eine Fortbildung ohne Kosten natürlich attraktiv. Allerdings kann es passieren, dass man sich von dem Sponsoring bei der Wahl einer Behandlungsmethode unbewusst beeinflussen lässt. Um diesem Problem entgegenzutreten, haben Ärzte den Verein MEZIS e. V. gegründet – die Abkürzung steht für „Mein Essen zahl‘ ich selbst“. Die Mitglieder achten darauf, unabhängig zu bleiben und somit ihre Patienten auch bestmöglich beraten und behandeln zu können. Die Frauenärztin Silke Bartens, selbst Mitglied in diesem Verein, meint zu der Problematik mit den Hormonspiralen: „Warum es Kollegen empfehlen … vielleicht hat es finanzielle Gründe, das will ich nicht unterstellen, aber es könnte natürlich auch sein, es ist ein bisschen lukrativer die Spirale zu legen als die Pille zu verordnen, bei Pille da gibt es Rezept, was man abgeben kann, und die Spirale hat eine gewisse Gewinnmarge.“2

Der finanzielle Anreiz ist für den Frauenarzt auch dadurch gegeben, dass der korrekte Sitz einer Spirale bei den Patientinnen durch halbjährliche Ultraschalluntersuchungen überprüft werden soll – bei vielen anderen Verhütungsoptionen entfällt diese Kontrolluntersuchung.10

Bei einer Beratung pro oder contra Spirale sollte die Unabhängigkeit der Frauenärzte kritisch untersucht werden. Es wurde z. B. bekannt, dass die Leiter der Frauenärztlichen Bundesakademie – führende Gynäkologen – Spenden von Bayer erhielten. In ihren Weiterbildungen äußern sie sich wohlwollend zur Hormonspirale.10 Es gilt also auch in diesem Fall, dass die Entscheidung für oder gegen ein Verhütungsmittel gut überlegt sein sollte – eine natürliche Verhütung jedenfalls wirkt ohne Nebenwirkungen.

Quellen

1 Fehr, T.: Die Pille … zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Psychotherapeuten. Sospital Verlag, 2015, S. 37.
2 Hackenbroch, V.: Psychisch krank durch Verhütung? Abgerufen am 11. Oktober 2017 auf www.spiegel.de.
3 Smilga, J.: Befleckte Verhütung. Das Geschäft mit der Hormonspirale. Abgerufen am 11. Oktober 2017 auf www.br.de.
4 Aleknaviciute, J. et al.: The levonorgestrel-releasing intrauterine device potentiates stress reactivity. Psychoneuroendocrinology. 2017 Jun;80:39-45. doi: 10.1016/j.psyneuen.2017.02.025. Epub 2017 Feb 28.
5 AAA Ewies: Mirena: the other side of the story. In: BJOG: An International Journal of Obstetrics & Gynaecology. 114, 2007, S. 1307
6 Jaydess IUS. DTB 2015;53:9-12.
7 Feldwisch-Drentrup, H.: Hormonspiralen unter Verdacht. Abgerufen am 11. Oktober 2017 unter www.deutsche-apotheker-zeitung.de.
8 Fachinformation von BAYER zur Hormonspirale Mirena.
9 Keller, M.: Gekaufte Ärzte. DIE ZEIT Nr. 22, 2015.
10 Smilga, J. und Brand, C.: Ärzte als Botschafter für Mirena und Co. Abgerufen am 11. Oktober 2017 unter www.br.de.


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