Der Pillenreport 2015 wirft ein großes Fragezeichen auf die Pille.

Höheres Thromboserisiko durch neue Antibabypillen

Neuere Antibabypillen der 3. und 4. Generation können das Risiko für venöse Thromboembolien erhöhen. Erfahre, welche Gestagene und Östrogendosen besonders kritisch sind, welche individuellen Faktoren das Risiko zusätzlich steigern – und welche hormonfreien beziehungsweise risikoärmeren Alternativen es gibt.

Zuletzt aktualisiert am 21.05.2025 · von Katharina

Höheres Thromboserisiko bei neueren Antibabypillen

Es gibt wissenschaftliche Hinweise auf einen Zusammenhang. Auch das BfArM weist in seinen Empfehlungen darauf hin. In diesem Beitrag geben wir Dir einen ersten Überblick:

  • Worauf Du beim Thema Thrombose und Pille achten solltest
  • Wer besonders gefährdet ist
  • Welche (hormonfreien) Alternativen Dir zur Verfügung stehen

Warum sind Pillen der 3. und 4. Generation risikoreicher?

Hormonelle Verhütung – insbesondere Kombipräparate mit Östrogen und Gestagen – können das Risiko für Blutgerinnsel, eine sogenannte venöse Thromboembolie (VTE), erhöhen.

Wichtig zu wissen:

  • Gestagene der zweiten Generation wie Levonorgestrel gelten als vergleichsweise risikoärmer.
  • Gestagene der dritten und vierten Generationen – zum Beispiel Drospirenon, Gestoden, Desogestrel – stehen im Verdacht, das Thromboserisiko stärker zu erhöhen.

Neben der Wahl des Gestagens spielen auch individuelle Risikofaktoren eine bedeutende Rolle beim Risiko für VTE. Zu den wichtigsten zählen:

Infografik zu Thrombose-Risikofaktoren mit sechs Symbolen: Rauchen, starkes Übergewicht, Alter über 35 Jahre, genetische oder eigene Vorerkrankungen, Wochenbett / Zeit nach der Geburt und längere Immobilisierung (z. B. Reisen oder Bettlägerigkeit).

Die häufigsten Risikofaktoren einer Thrombose im Überblick.

  • Rauchen – insbesondere bei Frauen über 35 Jahren
  • Starkes Übergewicht (BMI über 30, vor allem > 35 kg/m²)
  • Höheres Lebensalter – mit zunehmendem Alter steigt das Thromboserisiko
  • Familiäre oder eigene Vorerkrankungen – z. B. frühere Thrombosen oder genetische Prädisposition
  • Die Phase nach einer Geburt
  • Längere Immobilisierung – z. B. durch Operationen oder Fernreisen

Besonders kritisch ist der Zeitraum im ersten Jahr der Anwendung von kombinierten hormonellen Kontrazeptiva (KHK) oder nach einer Einnahmepause von über vier Wochen.

„Viele Ärzt:innen und Patientinnen unterschätzen die möglichen Nebenwirkungen der Pille.“

– Prof. Gerd Glaeske, Universität Bremen

Thromboserisiko im Vergleich

Die folgende Grafik zeigt, wie stark das Risiko für eine venöse Thromboembolie (z. B. Beinvenenthrombose oder Lungenembolie) je nach Verhütungsmethode ansteigen kann – im Vergleich zum natürlichen Risiko ohne hormonelle Eingriffe. Insbesondere die Hormonpräparate der dritten und vierten Generation würden die Gefahr von Thrombosen und Blutgerinnseln signifikant erhöhen.

Zu den Nebenwirkungen der Pille gehört ein erhöhtes Thromboserisiko. Die Grafik zeigt das Risiko für die unterschiedlichen Pillen auf.

Thromboserisiko durch die Pilleneinnahme

Das jährliche Risiko einer venösen Thrombose bzw. der Thrombophilie pro 10.000 Frauen ist demnach wie folgt zu beziffern:

  • 2 bei nicht schwangeren Frauen, die keine Pille zur Verhütung nehmen
  • 5–7 bei Anwenderinnen, die ein Präparat mit Levonorgestrel nehmen (Pille der zweiten Generation)
  • 8–12 bei Frauen, die ein Medikament der dritten oder vierten Generation nehmen (z. B. Gestoden, Desogestrel, Drospirenon, Dienogest)

Kombinierte Pillenpräparate – Liste zum Thromboserisiko

In der folgenden Übersicht siehst Du die meistverkauften Antibabypillen im Jahr 2014.

Grün markiert: Präparate der zweiten Generation.

Lila markiert: sogenannte „risikoreichere Pillen“ der dritten oder vierten Generation.

Pillenreport 2015 gibt eine Übersicht der Antibabypillen mit dem jeweiligen Wirkstoff.

Pillenreport 2015: Übersicht der Antibabypillen mit jeweiligen Wirkstoff

Aktueller Trend (AOK-Analyse, GKV-Daten 2024):

Ließ sich 2020 noch mehr als jede Dritte (35 %) Frau unter 22 Jahren die Pille verordnen, war es 2023 nur noch jede Vierte (25 %). Das entspricht einem Rückgang von 10 Prozentpunkten in nur drei Jahren. Innerhalb der verbleibenden Verordnungen steigt der Anteil risikoärmerer Levonorgestrel-Präparate weiter an (AOK-Analyse).

Was die Erkrankung selbst angeht, so kann eine VTE, wie etwa eine tiefe Beinvenenthrombose oder eine Lungenembolie, auch lebensgefährlich sein.

„Schätzungen zufolge sterben in Deutschland jährlich
40 000 bis 100 000 Menschen an einem Gefäßverschluss
infolge thrombotischer Erkrankungen.“

Deutsche Gesellschaft für Angiologie – Gesellschaft für Gefäßmedizin e.V. (DGA)

Die Pille ist nicht grundsätzlich gefährlich – doch nicht alle Präparate sind gleich risikoarm.

Wer zusätzliche Risikofaktoren mitbringt, sollte seine Entscheidung gut abwägen und sich von medizinischem Fachpersonal beraten lassen.

Die gute Nachricht: Es gibt risikoärmere Alternativen – und: Wissen schützt!

Der Trick mit der Östrogendosis

Falls Östrogen und Gestagen unverzichtbar erscheinen, raten Fachleute – darunter auch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) zur Vorsicht bei der Wahl der Östrogendosis:

Ein höherer Ethinylestradiol-Gehalt (ab ca. 30 µg) erhöht tendenziell das Risiko für Blutgerinnsel, bei Dosierungen über 50 µg ist der Anstieg sogar klar nachgewiesen – auch für Schlaganfälle. Deshalb gilt: Bei KHK sollte möglichst die niedrigste wirksame Östrogendosis (≤ 30 µg) gewählt werden; ganz ausschließen lässt sich das Risiko jedoch auch damit nicht.

Auch die S3-Leitlinie „Hormonelle Empfängnisverhütung“ der Fachgesellschaften Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe DGGG, Schweizerische Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe SGGG und Österreichische Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe OEGGG> bestätigt diesen Zusammenhang: Das Risiko für Blutgerinnsel steigt mit der Höhe der Östrogendosis. Eine niedrig dosierte Pille kann das Risiko also potenziell reduzieren – sofern keine weiteren Risikofaktoren vorliegen.

Thromboserisiko von Hormonpflaster & Minipille

Heutzutage gibt es neben der klassischen Pille auch Hormonpflaster und Vaginalringe. Beide enthalten ebenfalls Kombinationen aus Östrogen und Gestagen – z. B. Norelgestromin im Pflaster oder Etonogestrel im Ring.

Studien deuten darauf hin, dass das Thromboserisiko bei diesen Alternativen teilweise höher sein könnte als bei klassischen Pillen mit Levonorgestrel. Eine dänische Untersuchung zeigte ein erhöhtes Risiko für venöse Thrombosen bei Nutzerinnen von Pflaster und Vaginalring – im Vergleich zu Frauen ohne hormonelle Verhütung.

Es gibt desweiteren reine Gestagen-Präparate – auch bekannt als Minipille. Studien zeigen, dass diese das Risiko für VTE in der Regel kaum erhöhen. Eine Ausnahme bildet das Depot-Medroxyprogesteronacetat (DMPA), das in einer Studie mit einem erhöhten Thromboserisiko in Verbindung gebracht wurde.

Hormonfreie Alternativen – mit Kupfer oder ganz natürlich

Es gibt hormonfreie Alternativen, auf die zurückgegriffen werden kann:

  • Kupferspirale oder Kupferkette: rein lokal wirksam, ohne Östrogen oder Gestagen. Schonender für den Kreislauf, aber möglicherweise mit stärkerer Regelblutung verbunden.
  • NFP: Natürliche Familienplanung, die ganz ohne Hormone auskommt, basiert auf Zyklustracking und der Beobachtung von Eisprung-Anzeichen. Dazu gehört das Messen der Basaltemperatur und die Auswertung des Zervixschleims. Diese liefern Hinweise auf einen Eisprung und darauf basierend können wiederum die fruchtbaren Tage im Zyklus bestimmt werden.

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Empfehlung bei Migräne mit Aura

Bei Migräne mit Aura ist laut Leitlinie die Einnahme von KHK kontraindiziert. Studien zeigen: Das Risiko für Hirninfarkte steigt bei dieser Patientinnengruppe durch KHK um das 2‑ bis 8‑Fache. Tritt eine Migräne mit Aura während der Anwendung eines KHK auf, sollte die Einnahme laut Fachliteratur sofort beendet und ärztlich abgeklärt werden.

Wichtiger Hinweis:

Die Wahl eines hormonellen Verhütungsmittels sollte hier immer individuell und auf Basis einer fundierten Nutzen-Risiko-Abwägung im Austausch mit einer medizinischen Fachperson erfolgen.

Was empfiehlt das BfArM?

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) betont seit Jahren, dass das Thromboserisiko ein zentrales Kriterium bei der Auswahl eines hormonellen Kontrazeptivums sein sollte. Bereits 2011 sprach sich das BfArM dafür aus, Präparate mit dem geringstmöglichen Risiko für VTE zu bevorzugen. In einem Rote-Hand-Brief von 2021 und 2024 wurde erneut betont: Nicht alle KHK weisen das gleiche Thromboserisiko auf. Besonders empfohlen werden Präparate mit den Gestagenen Levonorgestrel, Norethisteron oder Norgestimat, da diese laut europäischer Bewertung das niedrigste VTE-Risiko zeigen. Deutlich höhere Risiken bestehen dagegen bei Kombinationen mit Drospirenon, Gestoden oder Desogestrel.

Im Rahmen seiner risikominimierenden Maßnahmen hat das BfArM unter anderem:

  • Produktinformationen aktualisiert,
  • offizielle Schulungsmaterialien eingeführt (z. B. Checkliste & Informationskarte für Patientinnen),
  • und eine ärztliche Beratungspflicht – insbesondere bei jungen Erstanwenderinnen – betont.

Die Kernaussage: Verhütungspillen sind keine Lifestyle-Produkte, sondern Arzneimittel mit Risiken, die individuell abgewogen werden müssen. Zusammenfassend empfiehlt das BfArM:

  • Einsatz von KHK mit dem niedrigstmöglichen VTE-Risiko – bevorzugt Levonorgestrel, Norethisteron oder Norgestimat.
  • Gründliche Aufklärung über Risiken unterschiedlicher Präparate.
  • Vorsicht bei neuen oder wenig erforschten Wirkstoffen wie DRSP.
Disclaimer:
Dieser Beitrag dient ausschließlich der neutralen Information und allgemeinen Weiterbildung. Er ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Die Wahl eines Verhütungsmittels sowie die Bewertung gesundheitlicher Risiken sollten immer im persönlichen Gespräch mit einer qualifizierten medizinischen Fachperson erfolgen.

FAQ


Mindestens: Lebensalter, BMI, Rauchverhalten (inkl. Anzahl Zigaretten), absehbare Immobilität oder Operationen, persönliche/familiäre VTE-Anamnese sowie bekannte Thrombophilie-Parameter in der Familie.


Das BfArM empfiehlt, Kontrazeptiva mit möglichst geringem VTE-Risiko zu wählen. Im Zuge eines EU-Risikobewertungsverfahrens wurden eine ärztliche Checkliste und eine Informationskarte für Patientinnen entwickelt.


Vor allem KHK der zweiten Generation mit Levonorgestrel, Norethisteron oder Norgestimat gelten als eher risikoarm in Bezug auf VTE.

 

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Quellen:


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Kommentare

  1. Stefan E.

    Unsere Tochter nahm bereits über 2 Jahre Rigevidon (Kombination aus Wirkstoff Ethinylestradiol und Levonorgestrel) ein und verstarb im Nov. 2020 mit 23 Jahren aus heiterem Himmel an einer doppelseitigen Lungenembolie. Sie hat noch nie geraucht, war schlank, kein Alkohol, keine Partys, keine Krampfadern, keine Vorerkrankungen und machte bis Beginn der Corona-Pandemie viel Sport. Die Ärzte fanden keinerlei weitere Risiken. Auch wir Eltern u. Geschwister haben uns auf vererbbare Blutgerinnungsstörung hin testen lassen, konnte aber bei allen zu 100 % ausgeschlossen werden. Hat noch jemand ähnliche Erfahrungen gemacht?

    1. Christiane

      Hallo Stefan,
      mein tiefes Beileid. Auch unsere kerngesunde 19jährigen Tochter (schlank, Nichtraucher, sportlich) erlitt eine schwere Lungenembolie, nachdem sie ein dreiviertel Jahr die Pille Bella Hexal wegen starker Hautprobleme eingenommen hatte. Es hat sich inzwischen herausgestellt, dass sie eine Faktor-V-Leiden-Mutation hat, also ihr Blut zu stark gerinnt. Sie hätte diese Pille deshalb niemals nehmen dürfen. Die Analyse von Erkrankungen in der Familie und die Aufklärung zu dieser gefährlichen Pille beim Frauenarzt ist quasi nicht erfolgt. Bis heute haben sich noch nicht sämtliche Thromben in der Lunge aufgelöst.

      Alle Mädchen und Frauen sollten von dem hohen Thromboserisiko der Pille, insbesondere der gegen Akne, wissen und auf eine ausführliche Beratung drängen. Dazu müssen sie auch alle relevanten Vorerkrankungen in der Familie kennen. Meistens wissen die Mädchen aber gar nicht, ob ihre Eltern oder Großeltern schon einmal eine Thrombose o.a. hatten.

      Bei mir und ihrer Schwester konnte die Gerinnungsstörung nicht festgestellt werden. Allerdings habe ich gehört, dass es auch Fälle geben kann, bei denen die Mutation bei den Eltern nicht nachgewiesen werden kann.

      Alles Gute für Dich und Deine Familie

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