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Der Pillenreport 2015 wirft ein großes Fragezeichen auf die Pille.

Höheres Thromboserisiko bei neueren Antibabypillen

Die Pille ist ein seit Jahrzehnten etabliertes Arzneimittel, das vor einer Schwangerschaft schützt. Im Pillenreport 2015 der Universität Bremen in Zusammenarbeit mit der Techniker Krankenkasse (TK) stellen die Autoren fest, dass es unterschiedliche Präparate mit unterschiedlichen Risiken gibt und analysieren, ob die neuen und modernen Antibabypillen der 3. und 4. Generation einen therapeutischen Fortschritt bringen. Im Pillenreport werden Nutzen und Risiken der neueren Gestagen-Produkte erklärt und deren Verschreibungspraxis untersucht.

Antibabypillen der 3. und 4. Generation

Gerd Glaeske, Professor für Gesundheitsökonomie an der Universität Bremen, macht deutlich, dass viele Ärzte und Patientinnen die möglichen Nebenwirkungen der Antibabypillen unterschätzen. Seine Untersuchungen haben ergeben, dass vor allem die neueren Präparate das Risiko für lebensbedrohliche Thrombosen stark erhöhen. Aber gerade diese werden laut Pillenreport 2015 heutzutage am häufigsten verordnet.

Bei den neueren Antibabypillen spricht man auch von denen der 3. und 4. Generation. Sie enthalten die Gestagene Gestoden, Desogestrel, Dienogest, Drospirenon, Chlormadinon oder Nomegestrol. Der Professor legt dar, dass die hormonellen Kontrazeptiva oftmals nicht nur zur Schwangerschaftsvermeidung verschrieben, sondern auch aufgrund „positiver“ Nebenwirkungen verordnet werden, wie z. B. einer klareren Haut, glänzender Haare und sogar Gewichtsverlust. Der Forscher warnt davor, dass dadurch die Antibabypille vielfach nicht mehr als ernstzunehmendes Medikament, sondern mehr als ein Lifestyle-Produkt wahrgenommen werde.

Der Pillenreport 2015 basiert auf den Daten der TK, der größten Krankenkasse in Deutschland. In den Jahren 2011 bis 2013 waren dort annähernd 400.000 Mädchen und Frauen im Alter zwischen 11 und 19 Jahren versichert. Die Abrechnungsdaten der TK zeigen: Bereits im Alter von 11 und 12 bekamen Mädchen die Antibabypille verschrieben. Im Alter von 15 Jahren nahm jedes 5. Mädchen regelmäßig Hormone zur Verhütung ein. Im Alter von 19 Jahren hatten 3 von 4 jungen Frauen ein Rezept für die Pille. Jede 2. der 19-Jährigen nahm dabei ein Produkt der 3. oder 4. Generation, z. B. mit Drospirenon.

Thromboserisiko

Prof. Dr. Petra Thürmann im Team um Prof. Glaeske erklärt im Pillenreport, dass eine Thrombose in Venen oder Lunge pro Jahr bei 2 von 10.000 sonst gesunden Frauen auftritt, die keine Hormone zur Verhütung nehmen und im gebärfähigen Alter, aber nicht schwanger sind. Für Frauen, die eine Pille der 2. Generation mit Levonorgestrel einnehmen, ist das Thromboserisiko bereits dreimal so hoch. Bei den Frauen, die mit einem Präparat der 3. oder 4. Generation, z. B. mit Drospirenon, verhüten, ist die Gefahr bis zu siebenmal so hoch. Das bedeutet: Pro Jahr bildet sich bei 11 bis 14 von 10.000 Pillenanwenderinnen ein gefährliches Blutgerinnsel, welches bis zum Tod führen kann.

Für Frauen, die rauchen, älter als 35 sind oder in deren Familie schon Thrombosen aufgetreten sind, steigt durch die Thrombophilie (die angeborene oder erworbene Neigung zu Thrombosen) das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen noch einmal nachdrücklich, und die Autoren empfehlen einen dringenden Pillen-Stopp. Für jüngere Frauen, die nicht rauchen und kein Übergewicht haben, spricht – so der Pillenreport – zunächst nichts gegen die neuen Präparate. Allerdings weist der Professor darauf hin, dass hormonelle Kontrazeptiva mit Levonorgestrel genauso sicher verhüten wie Produkte der 3. und 4. Generation mit beispielsweise Desogestrel oder Drospirenon. Erstere wiesen aber ein geringeres Thromboserisiko auf.

Wer die Pille satt hat, sollte cyclotest myWay als Verhütungsalternative in Betracht ziehen.

Jens Baas, Vorsitzender des Vorstands der TK, ist besorgt, dass die Antibabypillen zu leichtfertig verordnet und genommen werden. Das Forschungsteam fand heraus, dass die neueren Produkte häufig mit dem Hinweis verordnet würden, dass sie geringer dosiert seien. Das sei allerdings nicht richtig, denn auch die Antibabypillen mit Levonorgestrel seien sehr niedrig dosiert. Die Autoren des Pillenreports sind der Meinung, dass die neuen Präparate vor allem entwickelt wurden, damit sie zu höheren Verkaufspreisen vermarktet werden können. Das Fazit der Autoren des Pillenreports 2015: Wenn die Pille als das geeignete Verhütungsmittel festgestellt wurde, dann sollte es eine der 2. Generation werden, falls nicht negative Folgen auftreten. Sie weise eine bessere „Nutzen-Schaden-Bilanz“ auf.

Der Präsident des Bundesverbandes der Frauenärzte, Christian Albring, erwidert auf die aktuellen Untersuchungen, dass Ärzte spätestens seit dem Rote-Hand-Brief vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) von 2014 dazu verpflichtet sind, auf die verschiedenen Thrombose Risiken älterer und neuerer Gestagene hinzuweisen und vor allen Dingen über mögliche frühzeitige Symptome aufzuklären. Das BfArM hatte wiederholt auf die Risiken der modernen Antibabypillen hingewiesen. Außerdem betont er, dass die Kontrazeptiva mit Levonorgestrel wiederum andere unerwünschte Folgen wie Menstruationsbeschwerden, Zwischenblutungen, unerwünschten Haarwuchs und Akne haben können. Darum verschreiben Ärzte häufiger die Präparate der neueren Generation: die Frauen würden diese besser vertragen.

Pillenreport 2015: Übersicht der neuen Antibabypillen | Grafik: © cyclotest

Marketingmaßnahmen der Pharmahersteller

Im Pillenreport 2015 analysieren Prof. Glaeske und seine Kollegin Prof. Dr. Petra Thürmann ebenfalls die Werbemaßnahmen der Pharmaindustrie. Werbung für die Antibabypillen ist eigentlich durch das Heilmittelgesetz in Deutschland verboten. Die Autoren machen aber verständlich, wie diese von der pharmazeutischen Industrie auf Internetportalen, Facebook-Seiten und in YouTube-Videos angepriesen würden: Die Werbebotschaften der Medikamente seien eingebettet zwischen Beauty- und Lifestyle-Tipps in Medien, die gerade junge Frauen interessieren. Oftmals veröffentlichten Pharmaunternehmen redaktionelle Beiträge in Frauenzeitschriften oder transportierten ihre Werbebotschaften in Interviews mit Experten und Expertinnen.

Die Versprechen der Pharmahersteller seien dabei geschickt versteckt: die „positiven“ Nebenwirkungen und angeblichen Vorzüge würden deutlich herausgestellt. Vernachlässigt würden dabei mögliche negative Folgen und das Thromboserisiko, bei dem Blutgerinnsel zu Schlaganfällen, Lungenembolien und im schlimmsten Fall auch zum Tod führen können. Der Pillenreport 2015 stellt klar: Die Pharmaindustrie nutze dabei extensiv und geschickt die sozialen Medien, um ihre Werbebotschaften an die Frau zu bringen.

Es ist gut, dass es für die überwiegende Zahl der Jugendlichen heute selbstverständlich ist, sich um eine sichere Verhütung zu kümmern. Allerdings bringt es Christian Albring, Präsident des Berufsverbands der Frauenärzte, auf den Punkt, dass fast jedes Verhütungsmittel einen Eingriff in den weiblichen Körper bedeute. Die Antibabypille sei aber auf keinen Fall ein Lifestyle-Produkt, das man „einfach mal so“ nehmen solle. F. Rohrer, die ein Präparat der 4. Generation mit dem Gestagen Drospirenon einnahm und an einer Lungenembolie erkrankte, betont, dass über Risiken und Nebenwirkungen aufgeklärt werden müsse und man den Werbeversprechen der Pharmahersteller nicht uneingeschränkt glauben solle. Jede Frau solle kritisch abwägen, so der Pillenreport, ob die eigene „Nutzen-Schaden-Bilanz“ bei Einnahme der Pille stimme.1

Reaktionen auf den Pillenreport 2015

Was sagen am Bericht beteiligte Personen?

Dr. Jens Baas, Vorstandsvorsitzender der TK, zeigte sich überrascht über das Ergebnis des Reports, da man bei der aktuellen Verschreibungspraxis nicht mehr von Einzelfällen sprechen kann. Nehme man das kleinste Thromboserisiko zur Grundlage, so wären es rechnerisch noch 3.500 Frauen jährlich in Deutschland, die unter der Einnahme der Pille eine Thrombose erlitten. Er prangerte zudem die Vermarktungswege der Pharmaindustrie an. Beinahe jeder Hersteller habe eine eigene Webseite zum Thema „Verhütung“ und informiere dort Teenager über die Pille im Sinne eines angesagten „Lifestyleprodukts“.

Prof. Dr. Petra Thürmann, Direktorin des Philipp-Klee-Instituts für klinische Pharmakologie am HELIOS Klinikum Wuppertal, forderte eine bessere Kommunikation über die Nebenwirkungen der Hormonpräparate und eine Verordnung der mit einer größeren Thromosegefahr behafteten Pillen der 3. und 4. Generation nur nach ausführlicher Beratung durch den Facharzt und ausdrücklichem Einverständnis der Anwenderin.

Prof. Dr. Gerd Glaeske verdeutlichte, dass bei den ersten Pillen mit dem Gestagen Drospirenon die Thromosegefahr noch als gleich hoch angegeben wurde wie bei den Pillen der 2. Generation. Erst als neuere Studien von 2009, 2011 und neu 2015 veröffentlicht wurden, die eine vielfach höhere Thrombosegefahr feststellen konnten, wurde diese in den Beipackzetteln korrigiert. Diese Studien konnten auch bei anderen Gestagenen ein höheres Risiko aufdecken.

Statements der Öffentlichkeit

Der Report 2015 fand großen Anklang bei der Presse. Viele Medien berichteten darüber; in Print wie auch im TV. Auch viele Anwenderinnen meldeten sich und berichteten von Thrombosefällen in Zusammenhang mit der Pilleneinnahme.

Zudem tauchten viele Fragen in diesem Zusammenhang auf und es wurde eine große und lebhafte Diskussion über die Pille zur Verhütung gestartet. Einige der häufigsten Fragen und deren Antworten im Zusammenhang mit dem Report 2015 möchten wir im nächsten Kapitel erörtern.

Häufige Fragen und deren Antworten

Hat meine Pille ein erhöhtes Risiko?

Die obige Grafik zeigt 40 Pillensorten, die 2014 am häufigsten verkauft wurden. Schaue nach, ob dort Dein Hormonpräparat enthalten ist und lies das darin enthaltene Gestagen ab. Ist Deine Antibabypille dort nicht dabei, so schaue bitte in den Beipackzettel bzw. suche diesen im Internet mit „Pillenname Beipackzettel“ beispielsweise „Yasminelle Beipackzettel“.

Enthält Dein Präparat den Inhaltsstoff Gestoden, Desogestrel oder Drospirenon, so gehört es zur 3. bzw. 4. Generation und weise eine höhere Gefahr auf. Enthält Dein Präparat den Wirkstoff Levonorgestrel, so gehört es zur 2. Generation und weise eine geringere Thrombosenebenwirkung im Vergleich zur neueren Generation auf.

Für Pillen mit dem Wirkstoff Dienogest, Chlormadinon und Nomegestrol ist das Thromboserisiko noch nicht bekannt. Aufgrund älterer Studien gibt der aktuelle Report 2015 ein 1,8-fach erhöhtes Thromboserisiko gegenüber dem Wirkstoff der zweiten Generation an.

Wie werden andere hormonelle Verhütungsmittel bewertet?

Der Pillenreport 2015 hat nur orale Verhütungsmittel bewertet. Laut einer dänischen Studie von 2001 wurden der Vaginalring sowie das Hormonpflaster hinsichtlich ihres Thromoserisikos als ähnlich risikohaft eingestuft wie die Hormonpillen der dritten bzw. vierten Generation.2 Das Risiko der Hormonspirale wurde in der Studie als ähnlich hoch eingeschätzt wie bei den Pillen der zweiten Generation.

Bitte lasse Dich von Deinem Frauenarzt ausführlich über die Risiken und Nebenwirkungen aufklären. Es empfiehlt sich auch, den Beipackzettel ausführlich durchzulesen, da darin alle Gefahren aufgeführt werden müssen.

Gibt es Alternativen ohne Thromboserisiko?

Hormonfrei die fruchtbaren und unfruchtbaren Tage bestimmen

Die Erkenntnisse aus dem Pillenreport, das erhöhte Thromboserisiko wie auch weitere Informationen lassen viele Frauen über Alternativen zu den Antibabypillen nachdenken. Falls Du Dich entscheidest, die Pille abzusetzen, dann ist es wichtig, sich vorab intensiv damit zu befassen. Denn leichtfertig absetzen sollte man die Pille nicht. Wichtig ist auch, für sich zu entscheiden, wie es nach dem Pillen-Stopp weitergehen soll und welche Alternativen zur Verfügung stehen. Dafür haben wir von der cyclotest Redaktion nützliche Hinweise zusammengestellt.

In unserem Menü über NFP und im Bereich Natürliche Verhütung informieren wir Dich, wie Du hormonfrei Deine fruchtbaren und unfruchtbaren Tage bestimmen kannst. Bei der Durchführung der Temperaturmethode oder der Symptothermalen Methode kann Dich ein Zykluscomputer unterstützen. Der cyclotest myWay misst und analysiert die Aufwachtemperatur sowie weitere Eisprung Symptome und grenzt die fruchtbare Phase im Monat dadurch von den unfruchtbaren Tagen ab.

Unsere Learnings aus dem veröffentlichten Pillenreport:

Was wir Dir mit auf den Weg geben wollen:

  • Hinterfrage Deine eigene Situation je nach Lebensphase!
  • Informiere Dich gezielt! So können Fragen oder Unsicherheiten z. B. über das individuelle Thromboserisiko im Gespräch mit dem eigenen Frauenarzt geklärt werden. Die TK hat dazu beispielsweise eine Checkliste erarbeitet, die erste Anhaltspunkte liefern könnte und die wir als sehr nützlich erachten.
  • Auch persönliche Erfahrungsberichte helfen, das Risiko der Antibabypillen besser einzuordnen. Vielleicht kennst Du ja jemanden aus dem Bekannten-, Freundes- oder Familienkreis, der Dir weitere Informationen geben kann. Sanara, eine unsere Gastautorinnen beispielsweise, hat feststellen müssen, dass sie eine Gerinnungsstörung hat.

Quelle:

1 Boeschen, D. et al.: Pillenreport 2015 – Ein Statusbericht zu oralen Kontrazeptiva, Bremen 2015.
2 Lidegaard, O. et al:. Venous thrombosis in users of non-oral hormonal contraception: follow-up study. BMJ. 344. 2012.

Der gesamte Bericht steht auf der Website der Techniker Krankenkasse zum Download bereit.


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