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Ist die Pille für den Mann bald Wirklichkeit?


Unter dem Begriff „Pille für den Mann“ kursieren seit Jahren verschiedene Verhütungsmethoden – allen gemein ist, dass sie sich im Versuchsstadium befinden. Unter der „Pille für den Mann“ wird nicht nur ein oral einzunehmendes Präparat verstanden, sondern auch beispielsweise Implantate, Spritzen oder Gels.

Die Pille für die Frau ist ein sicheres Mittel zur Verhütung, aber lässt sich dieses Verhütungsprinzip auch auf Männer übertragen? Es wird schon lange an einem Verhütungsmittel für Männer geforscht, und oft liest man dann, dass die „Pille für den Mann“ kurz vor der Freigabe stehe. Tatsächlich hört man dann aber nichts mehr davon.

Die Schwierigkeit beim Mann besteht darin, dass mit der Pille nicht eine Eizelle aufgehalten werden muss wie bei der Frau, sondern zwischen 20 und 150 Millionen Spermien. Es stellt also schon allein die schiere Menge eine Herausforderung dar.

Außerdem ist ein Mann in der Regel immer fruchtbar, während die fruchtbaren Phasen der Frau recht übersichtlich sind. Dies alles erklärt schon ein Stück weit, warum es eine solche Pille noch nicht gibt.

Wie wirkt die Pille für den Mann?

Um die Wirkweise zu verstehen, müssen die verschiedenen Methoden separat betrachtet werden, da die Ansätze unterschiedlich sind. Von 2009 bis 2011 wurde beispielsweise von der WHO eine Injektionsmethode getestet, bei der Testosteron und Gestagen injiziert wurde. Dieser Test wurde jedoch aufgrund der negativen Folgen abgebrochen.

2010 und 2012 wurde in Indonesien eine Substanz der Pflanze Gendarussa getestet. Diese Pflanze wird dort von Männern schon lange als Teeaufguss zur Verhütung getrunken. Die Pflanze entfaltet ihre Wirkung aufgrund der Hemmung bestimmter Enzyme, die für das Eindringen des Spermiums in die Eizellen notwendig sind. Damit erfolgt bei dieser Verhütung kein Eingriff in die eigentliche Reifung der Spermien. Die Tests ergaben eine Verhütungsquote von 99 % bei sehr geringen negativen Auswirkungen. Die Fruchtbarkeit war wenige Tage nach dem Absetzen des Tees wieder normal.

Derzeit erhofft man sich vom Wirkstoff Dimethandrolon Undecanoat (DMAU) größere Fortschritte. Beim Wirkstoff DMAU beruht die Wirksamkeit auf einer hormonellen Senkung des Testosteronspiegels, wodurch die Spermienproduktion blockiert wird. Die Ergebnisse einer Studie mit 100 männlichen Teilnehmern zeigte, dass durch die tägliche Einnahme einer Pille mit DMAU die körpereigene Testosteronproduktion in den Hoden signifikant abnahm, wodurch die Spermienproduktion unterdrückt wurde. Zudem wurde die Konzentration von zwei weiteren für die Spermien notwendigen Hormonen blockiert.

Nebenwirkungen der Männer-Pille

Die Injektionsmethode der WHO, die sich wegen ihrer Nebenwirkungen nicht durchsetzen konnte, führte bei ca. 10 % der Probanden zu Depressionen, Gewichtszunahme und Hautproblemen – also Auswirkungen, wie man sie auch von den Nebenwirkungen der Pille für die Frau kennt.

Die Nebenwirkungen der Gendarussa-Einnahme sind hingegen sehr gering – hier wird nur von einer möglicherweise erhöhten Libido und leichter Gewichtszunahme berichtet. Allerdings steht eine zwölfmonatige Studie noch aus.

Bei einer ersten Studie mit der Einnahme von Dimethandrolon Undecanoat wurden Nebenwirkungen wie leichte Gewichtszunahme sowie leichte Abnahme von HDL (das sog. „gute“ Cholesterin) beobachtet. Niedrige Testosteron-Werte, die durch das Präparat hervorgerufen werden, können weiterhin zu Brustwachstum und Depressionen führen.

Wie sicher wäre die Pille für den Mann?

Zur Sicherheit der Pille für den Mann liegen natürlich noch keine aussagekräftigen Zahlen vor, da die Methoden noch nicht gründlich erforscht sind.

Im Fall der Verhütung mit Gendarussa wurde in drei klinischen Studien eine Verhütungssicherheit von 99 % nachgewiesen. Sollte sich dieser Wert in Langzeitstudien bewahrheiten, würde es sich bei dem Tee um ein sehr sicheres Verhütungsmittel handeln. Bis dahin gilt natürlich: Abwarten und Tee trinken (und anders verhüten)!

DMAU wird derzeit in einer Langzeitstudie getestet, um die Sicherheit dieser Verhütungsmethode einstufen zu können. In der ersten Studie haben die Forscher allerdings nur Bluttests durchgeführt, deren Auswertung zeigte, dass durch den geringen Testosteronspiegel im Blut theoretisch keine Spermien mehr produziert werden können. Allerdings haben die Forscher keine Spermien mittels eines Spermiogramms gezählt. Ob die Männer tatsächlich unfruchtbar durch das Medikament waren, steht daher nicht sicher fest.

Welche Alternativen gibt es zur Pille für den Mann?

Alternativen zu der noch nicht vorhandenen Pille für den Mann gibt es in der Verhütung kaum – zumindest für Männer. Die Verhütung für den Mann bietet derzeit nur wenige Optionen. Da bleibt eigentlich nur das Kondom oder, als endgültigere Alternative, die Vasektomie bzw. Sterilisation, bei der die Samenleiter durchtrennt werden.

Das starke Geschlecht benötigt also in diesem Bereich die Unterstützung der Frau, für die ein viel größeres Repertoire an Verhütungsmethoden bereitsteht. Abgesehen von den hormonellen Verhütungsmitteln wie der Antibabypille für die Frau gibt es hier auch eine große Auswahl an hormonfreien Methoden für Frauen.

Darf die Partnerin beispielsweise aufgrund eines erhöhten Thromboserisikos keine Antibabypille einnehmen, ist die natürliche Verhütung eine gute Alternative zur Pille. Hier kann beispielsweise der Mann Verantwortung in der Familienplanung übernehmen, indem er sich um die Verhütung in der fruchtbaren Phase kümmert.


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