Skip to main content
Der Pearl-Index ist der Versuch eines Beurteilungsmaßes für die Sicherheit eines Verhütungsmittels. Er beschreibt, wie viele verhütende Frauen innerhalb eines bestimmten Zeitraums mit dieser Art der Empfängnisverhütung ein Kind empfangen. Der Pearl-Index ist als Vergleichskennzahl weit verbreitet, aber aufgrund methodischer Schwächen auch umstritten.

Wenn Du wissen möchtest, wie sicher eine Verhütungsmethode ist, gilt der erste Blick oft dem Pearl-Index – er ist quasi der Standard und bietet einen ersten Überblick über die verschiedenen Methoden. Aber welche Aussagekraft steckt hinter dieser Zahl und wie kommt sie überhaupt zustande? Kann man sich darauf verlassen? Welche Alternativen gibt es?

Was ist der Pearl-Index?

Der Pearl-Index, auch abgekürzt als PI, ist eine Kennzahl für die Verhütungsmittelsicherheit – er gibt also für Kondom, Antibabypille, Sterilisation & Co. die Wirksamkeit bzw. Zuverlässigkeit an. Er wurde nach dem amerikanischen Wissenschaftler Raymond Pearl benannt. 1933 veröffentlichte er einen Artikel in einer Fachzeitschrift, in dem er beschrieb, wie die Fruchtbarkeit statistisch erfasst werden kann. Nach ihm wurde der heutige Pearl-Index benannt.1

Laut einer repräsentativen Umfrage aus dem Jahr 2011, die die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) in Auftrag gegeben hat, ist der wichtigste Grund für die Wahl eines Verhütungsmittels die Sicherheit.2 Um die Souveränität über die Familienplanung, die Fruchtbarkeit und die eigene Lebensgestaltung zu behalten, muss man sich auf die Empfängnisverhütung verlassen können.

Welches Empfängnisverhütungsmittel hat welchen Pearl-Index?

Pearl-Index – Welches Empfängnisverhütungsmittel? | Foto: © cyclotest

Wie wird der Pearl-Index berechnet?

Der Pearl-Index ist eine Rechenmethode. Der heutige gebräuchliche Index wurde allerdings vereinfacht. Er entspricht der Anzahl ungewollter Schwangerschaften pro 100 Frauenjahre unter Einsatz des jeweiligen Mittels zur Verhütung und gibt die sog. Versagerquote an. Er gibt also an, wie hoch der Anteil der verhütenden Frauen ist, bei der trotz Verwendung beispielsweise der Pille innerhalb eines Jahres eine Schwangerschaft eintritt.

Ein Beispiel: Ein Pearl-Index von 3 gibt an, dass von 100 mit einer bestimmten Methode verhütenden Frauen innerhalb eines Jahres bei 3 Frauen ein Kind entsteht.

Demnach lässt sich der Sicherheitsindex mithilfe der Formel in der Abbildung berechnen.

Berechnung der Pearl-Index-Formel

Pearl-Index-Formel | Grafik: © cyclotest

Kritik am Pearl-Index

Der Pearl-Index wird oft zum Vergleich der Verhütungsmethoden verwendet. Allerdings gerät der Sicherheitsindex aufgrund seiner eingeschränkten Aussagefähigkeit in der Wissenschaft stark unter Kritik.

Unterschiedliche Pearl-Indizes

Die Angaben zum Pearl-Index sind in der Literatur sehr unterschiedlich. Beispielsweise kann man beim Pearl-Index der Pille einen Wert zwischen 0,1 und 8 finden. Die Gründe für einen unterschiedlichen Index bei Pille & Co. sind vielfältig.

Zum einen wird in Herstellerstudien oftmals nur der Pearl-Index bei absolut perfekter Anwendung angegeben oder die Parameter so gewählt, dass daraus ein niedriger Pearl-Index resultiert (dazu später mehr). Zum anderen sind bestimmte Studien abgelaufen, die aber weiterhin noch als Grundlage zitiert werden, z. B. die Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) des Jahres 2010.

So lange keine einheitlichen Grundlagen für die Ermittlung der Pearl-Indizes vorliegen, können die Angaben zum Pearl-Index daher nur einen Anhaltspunkt liefern. Sie haben keinen Anspruch auf allgemeine Gültigkeit und müssen von Einzelfall zu Einzelfall betrachtet werden.

Pearl-Index: Schwächen der Methode

Zur Berechnung des Pearl-Index fehlen entscheidende Parameter, worunter die Vergleichbarkeit leidet. Es gibt eine ganze Reihe von Faktoren, die die Vergleichbarkeit dieses Wertes zwischen verschiedenen Studien erschweren.3 An der Pearl-Index-Formel lassen sich die Folgen gut veranschaulichen.

Häufigkeit des Geschlechtsverkehrs

Anhand der Anwendungsmonate wird eine bestimmte Nutzungsdauer der Verhütungsmethode unterstellt. Wenn eine Frau nun jedoch 12 Monate ein Kondom nutzt, sagt dies nichts über die Häufigkeit des Geschlechtsverkehrs in dieser Zeit aus.

Wenn man sich Extremfälle vorstellt, ist es denkbar, dass eine Frau in den 12 Monaten zum Beispiel sechs Mal Geschlechtsverkehr mit Kondom hat, während eine andere auf einen Wert von 40 kommt. Die Wahrscheinlichkeit, dass ungeplant mit einem Kondom eine Befruchtung passiert, ist bei Letzterer natürlich höher. Der Pearl-Index ist bei beiden jedoch gleich.

Größe der Stichprobe

Auch über die Größe der Stichprobe lässt sich der Pearl-Index beeinflussen, da er nur ein relatives Maß darstellt. Im Allgemeinen gilt, dass das Ergebnis genauer wird, wenn die Stichprobe vergrößert wird.

Für die Ermittlung des Pearl-Index ist aber keine bestimmte Stichprobengröße vorgeschrieben. Man kann also den Pearl-Index der einen Pille an 500 verhütende Frauen ermitteln und den einer anderen Pille an 10.000 Frauen. Die Stichprobengröße ist bei beiden verschieden und dadurch ist auch der Fehler stark unterschiedlich. Bei der Betrachtung des reinen Pearl-Index wird diese Unsicherheit aber ignoriert.

Alter der Frauen

Eine weitere Schwäche des Pearl-Index besteht in der Zusammensetzung der Stichprobe und der Dauer der Untersuchung. So wird der Pearl-Index bei Anwenderinnen zwischen 15 und 44 Jahren bestimmt, jedoch gibt es natürlich eine starke Abhängigkeit vom Alter der beteiligten Personen, was bei der Zusammenstellung einer Studie berücksichtigt werden muss. Leider wird dieser Faktor oft nicht berücksichtigt.

Dauer der Studie

Auch nimmt der Pearl-Index ab, je länger eine Studie dauert. Das hat damit zu tun, dass überdurchschnittlich viele Frauen kurz nach Beginn der Studie ein Kind empfangen. Oft handelt es sich um Teilnehmerinnen mit überdurchschnittlich häufigem Geschlechtsverkehr oder es entstanden Fehler bei der Durchführung der Verhütungsmethode.

Mit zunehmender Dauer einer Studie sind die Beteiligten besser in der Anwendung von Verhütungsmethoden geübt, so dass die Schwangerschaftsrate sinkt. Da der Pearl-Index allerdings die auftretenden Fälle durch die Dauer teilt, wird er immer kleiner, je länger die Untersuchung durchgeführt wird. Bei einer beliebig langen Dauer wird der Nenner des Bruchs (nichts anderes ist ja der Pearl-Index) immer größer, so dass theoretisch jeder Pearl-Index gegen null gehen kann.4

Anwendungsfehler versus methodische Schwächen

Der Pearl-Index leidet auch darunter, dass es extrem schwer ist, zwischen Anwendungsfehlern des Benutzers und methodischen Schwächen der Verhütungsmethode zu unterscheiden. So wird nur bei einer erfolgten Schwangerschaft tatsächlich unterschieden, wie diese zustande kam.

Wenn es zu keiner Schwangerschaft kommt, wird automatisch angenommen, dass die Anwendung perfekt durchgeführt wurde. Eine perfekte Verwendung ohne Anwendungsfehler muss natürlich nicht der Fall sein, was zu Fehlern in der Abschätzung der Dauer führt. Würde diese fehlerhafte, aber folgenlose Nutzung von der Dauer abgezogen, würde das den Pearl-Index natürlich beeinflussen.

Weitere Schwächen des Pearl-Index

Auch medizinische Faktoren wie zum Beispiel das Körpergewicht beeinflussen den Pearl-Index. So ist bei übergewichtigen Frauen der Hormonstoffwechsel verändert, was durch die zur Verfügung stehenden Verhütungsmittel allerdings nicht berücksichtigt wird. Je nach Zusammenstellung der Studie und dem Herkunftsland können so ganz andere Werte entstehen.

Ein weiterer wichtiger Faktor ist, dass hormonelle Verhütungsmethoden wie Pille, Hormonspirale & Co. auch nach dem Beendigen der Verhütung über einen gewissen Zeitraum (2–3 Monate) einen Effekt zeigen. Wenn dieser Zeitraum beim Studiendesign nicht berücksichtigt wird, werden die Ergebnisse dadurch ebenfalls verfälscht.

Wesentliche Schwachpunkte des Pearl-Index

  • Methoden- und Anwendungsindex werden oft nicht sauber voneinander getrennt
  • Fehlen entscheidender Parameter
  • Häufigkeit des Geschlechtsverkehrs wird nicht erfasst
  • Abhängigkeit vom Alter wird nicht berücksichtigt
  • Studiendauer ist nicht vorgeschrieben

Welche Alternative gibt es zum Pearl-Index?

Gemeinhin wird davon ausgegangen, dass die Sicherheit des Empfängnisschutzes um so größer ist, je niedriger der Pearl-Index ist. Aufgrund der methodischen Schwächen kann dieser Wert aber nicht absolut gesetzt werden. Die Zuverlässigkeit jeder Verhütungsmethode hängt zudem auch immer auch von der Gewissenhaftigkeit der Anwender ab, also davon, ob die Herstellerangaben eingehalten werden.

Die Angabe zur Methoden- und Anwendungssicherheit ist daher zuverlässiger und aussagekräftiger. Die Methodensicherheit steht dabei für die Sicherheit bei absolut korrekter Anwendung. Sie wird daher auch als perfect use oder als theoretischer Pearl-Index bezeichnet.

Die Anwendungssicherheit beziffert die Sicherheit unter den normalen, alltäglichen Umständen. Die Anwendungssicherheit wird auch als typcial use oder als praktischer Pearl-Index bezeichnet.

Auch diese beiden Methoden werden als Pearl-Index angegeben. Als Berechnungsformel weisen sie die gleichen Methodenschwächen auf. Allerdings: Durch die Betrachtung zweier Werte wird die Sicherheit viel differenzierter und logischer angegeben. Dennoch gilt auch hier nur eine eingeschränkte Aussagekraft.

Ein Ranking hinsichtlich der Sicherheit von Verhütungsmitteln ist daher mit Vorsicht zu genießen.

Betrachtung Pearl-Index hormoneller Methoden

Betrachten wir den Sicherheitsindex der Pille, so findet man meist eine Methodensicherheit von unter 1. Die Anwendungssicherheit der Pille ist allerdings deutlich höher. Je nach Quelle wird der praktische Pearl-Index mit 6 bis 8 angegeben. Vergesslichkeit, Durchfall, Erbrechen, Wechselwirkungen mit Medikamenten etc. passieren jeder Frau und kommen im normalen Leben vor.

Du merkst: Je nachdem, welcher Pearl-Index der Pille betrachtet wird, ändert sich das Risiko für eine Schwangerschaft dramatisch.

Auch bei der östrogenfreien Minipille, die ein Gestagen verwendet, wodurch der Eisprung nicht unterdrückt wird, sieht die Faktenlage ähnlich aus. Für die östrogenfreie Minipille wird beispielsweise meist ein Pearl-Index von 0,5 bis 3 angegeben.5 Die Anwendungssicherheit der Minipille liegt allerdings deutlich darüber. Einer der Gründe liegt darin, dass sie immer zum gleichen Zeitpunkt genommen werden muss. Bei typischer Anwendung kommen bei dem Verhütungsmittel mit Gestagen viele ungewollte Schwangerschaften vor.6

Der theoretische und praktische Pearl-Index der Hormonspirale liegen näher beieinander – klar, bei dieser Spirale kannst Du selbst weniger falsch machen. Das gilt beispielsweise auch für das Hormonimplantat – es wird eingesetzt und fertig. Der Methoden- sowie der Anwendungsindex beim Hormonimplantat liegen ebenfalls näher beieinander.

Beim Verhütungspflaster oder Vaginalring kommen hingegen Fehlerquellen ins Spiel wie falsche Applikation oder Vergesslichkeit. Der Hauptgrund der Versagerrate im Alltag mit Vaginalring und Hormonpflaster ist, dass es zu Unterbrechungen der Anwendung kommt. Viele vergessen es, rechtzeitig ein neues Rezept für den Vaginalring oder das Verhütungspflaster zu holen. Der Verhütungsring oder das Hormonpflaster haben demnach einen vergleichsweise hohen Alltagsindex.

Wich hoch ist die Anwendungssicherheit der Antibabypille im Vergleich zur Methodensicherheit?

Sicherheit Antibabypille | © cyclotest

Bewertung Pearl-Index natürlicher Methoden

Wie sehen praktischer und theoretischer Pearl-Index bei der symptothermalen Methode aus? Auch hier finden sich natürlich mehrere Quellen, aber im Allgemeinen geht man von einem Wert von 1,6 bis 3 für die Anwendersicherheit aus, aber von nur 0,4 bei der Methodensicherheit!

Die symptothermale Methode ist dabei die sicherste der Methoden der Natürlichen Familienplanung (NFP). Spricht man von NFP, meinen die meisten Anwenderinnen genau diese symptothermale Methode, also die Kombination von Aufwachtemperatur und Gebärmutterhalsschleim.

Die Temperaturmethode gehört ebenfalls zur NPF-Methode. Deren Verhütungssicherheit liegt bei 1-3. Der Grund für einen etwas schlechteren Sicherheitsindex liegt darin, dass der Eisprung per Temperatur immer erst im Nachhinein festgestellt wird.5

Für die Kupferspirale wird ein Wert von 0,9 bis 3 ausgewiesen.5 Bei dieser Spirale entfallen natürlich Probleme wie Vergesslichkeit oder Durchfall – sie haben hier schlichtweg keine Auswirkung. Damit liegt die Methoden- und Anwendungssicherheit bei der Kupferspirale nahe beieinander.

Analyse Sicherheitsindex mechanischer Methoden

Wenn man sich das Kondom anschaut, eines der beliebtesten Verhütungsmittel, so stößt man hier auf eine Methodensicherheit von 8 bis 15. Liegen die Werte so weit auseinander, so ist eine konsequente und zuverlässige Anwendung für die Wirksamkeit des Verhütungsmittels sehr wichtig, um einen möglichst niedrigen Pearl-Index zu erhalten.

Dasselbe gilt natürlich auch für die Portiokappe oder das Diaphragma (plus Spermizid): Dadurch, dass die Anwendung mit dem Diaphragma geübt werden muss und die Handhabung anfangs vielleicht nicht ganz einfach erscheint, kann frau sich nicht auf den niedrigsten Pearl-Index verlassen, den sie findet. Der optimale Diaphragma-Index per gilt nur für erfahrene Anwenderinnen.

Bewertung Pearl-Index sonstiger Methoden

Bei der Sterilisation hingegen ist der Pearl-Index meistens etwas eindeutiger: Bei Männern hat die Sterilisation einen Wert von 0,1. Bei Frauen liegt die Sterilisation bei einem Wert von 0,09 bis 0,45 – kein Wunder, hier kann der „Anwender“ auch wenig falsch machen.

Ganz anders sieht es beim Coitus interruptus aus. Den Coitus interruptus oder auch „Rauszieh-Methode“ sollte man eigentlich nicht zu den Verhütungsmethoden zählen: Hier liegt der Pearl-Index bei 8 bis 38! Anwendungsfehler sind beim Coitus interruptus eigentlich nicht auszuschließen.5

Pearl Index verschiedener Barrieremethoden

Pearl-Index Kondome Diaphragma | © cyclotest

Test der Stiftung Warentest

In einem Test der Stiftung Warentest7 zu Zykluscomputern, welche auf natürlichem Weg die fruchtbaren Tage ermitteln, schnitt der cyclotest 2 plus als Testsieger ab. So erreichte der Verhütungscomputer bei „Empfängnisschutz“ ein „gut“ (2,0), ebenso bei „Eignung bei Kinderwunsch“: „gut“ (1,8) – kein anderes Gerät erreichte in diesen Kategorien bessere Werte.

cyclotest 2 plus ist bei den geprüften Geräten ein noch preiswerter Sieger (…)

Zwei Geräte machten eine relativ sichere Aussage über die hochfruchtbare Zeit: cyclotest 2 plus und – mit Abstand – Persona.

Die Temperaturcomputer cyclotest 2 plus, Babycomp und Bioself plus sind vergleichsweise sicher.

Quellen:
1 Pearl, R.: ACTORS IN HUMAN FERTILITY AND THEIR STATISTICAL EVALUATION, The Lancet, September 1933
2 Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (Hrsg.): Verhütungsverhalten Erwachsener. Ergebnisse der Repräsentativbefragung. Köln 2011.
3 Gerlinger, C. et al.: Different Pearl Indices in studies of hormonal contraceptives in the United States: impact of study population
4 Trussell, J. and Portman, D.: The Creeping Pearl: Why Has the Rate of Contraceptive Failure Increased in Clinical Trials of Combined Hormonal Contraceptive Pills? Contraception. 2013 November ; 88(5): 604–610.
5 Quelle Pearl-Indizes: Diedrich, K. et al.: Gynäkologie und Geburtshilfe. 2. Auflage, S. 126. Heidelberg 2007.
6 Schmidt-Matthiesen, H. und Wallwiener, D. (Hrsg.): Gynäkologie und Geburtshilfe – Lehrbuch für Studium und Praxis. 10. Auflage. Stuttgart 2005.
7 test 08/2000