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Frau, die nach einer Fehlgeburt erneut schwanger geworden ist und auf ihren Geburtstermin wartet.

Schwanger nach Fehlgeburt – wann ist der beste Zeitpunkt?

Schwanger nach Fehlgeburt – vielen Frauen ist diese Aussage zunächst einmal nicht ganz geheuer. Die Fehlgeburt ist noch im Kopf, der Kinderwunsch aber nach wie vor im Herzen: Was tun? Nachfolgend für Dich ein Überblick über die Schwierigkeiten und Möglichkeiten.

Was spricht für eine sofortige Schwangerschaft nach einer Fehlgeburt?

Manche wollen nach einer Fehlgeburt gleich wieder ein Baby bekommen – man hatte sich ja schon auf das Baby und seine Entwicklung zum Kleinkind gefreut –, andere brauchen länger, um den Schock zu verarbeiten. Der Kinderwunsch bleibt aber oft bestehen und kommt mit zunehmendem Abstand wieder stärker zur Geltung, so dass eine Schwangerschaft und ein Baby immer mehr herbeigesehnt werden – bei manchen Frauen früher, bei anderen später. Daher ist der beste Zeitpunkt individuell verschieden.

Während Ärzte früher empfahlen, nach einer Fehlgeburt etwa drei Monate mit dem nächsten Versuch einer Schwangerschaft zu warten, geht man heute dank neuerer Studien zum Thema „Schwanger nach Fehlgeburt“ davon aus, dass dieser Aspekt das Risiko einer weiteren Fehlgeburt nicht erhöht.1 Da die Fruchtbarkeit danach keine Pause macht, kann schon mit dem nächsten Eisprung eine erneute Schwangerschaft eintreten. Dieser Umstand lässt sich nutzen, wenn die Fehlgeburt gut verkraftet wurde und der Kinderwunsch nach wie vor sehr groß ist. Wenn auch der Partner diese Entscheidung mitträgt, spricht nichts gegen einen erneuten Versuch.

Risiken einer sofortigen Schwangerschaft nach einer Fehlgeburt

Eine baldige Schwangerschaft nach einer Fehlgeburt ist dann kritisch zu sehen, wenn dem Verlust des Kindes aus der vorherigen Schwangerschaft noch nachgetrauert wird. Denn unverarbeitete Trauer kann ein Stressfaktor sein, der sich negativ auf die Schwangerschaft auswirkt. Da aus ärztlicher Sicht in der Regel nichts gegen eine sofortige Schwangerschaft spricht, sind hier vor allem die psychischen Auswirkungen der vorangegengenen Fehlgeburt entscheidend.

Wie hoch ist das Risiko einer erneuten Fehlgeburt?

Nach einer Fehlgeburt ist das Risiko für eine weitere um 15–20 % erhöht und es steigt mit jeder weiteren Fehlgeburt weiter an, ebenso mit dem Alter der Mutter.2 Ebenso ist das Risiko für eine Frühgeburt erhöht, nämlich um 20 %.3

Nach einer Fehlgeburt, besonders einer mit Ausschabung, ist es daher durchaus denkbar, dass frau nicht mehr das Urvertrauen in ihren Körper hat, das für sie zuvor selbstverständlich war. Wenn aber nicht gerade eine erbliche oder körperliche Ursache für die Fehlgeburt verantwortlich war, dürfte es oftmals so sein, dass sich hier die Psyche mehr beeindrucken lässt als der Körper. In einer schottischen Studie an der University of Aberdeen wurde sogar herausgefunden, dass die Chancen für eine erfolgreiche Schwangerschaft nach einer Fehlgeburt in den ersten sechs Monaten nach dem Abort höher seien als später, wenn keine erblichen oder körperlichen Ursachen für die Fehlgeburt vorlagen.4 Auch die Statistik kann hier weiterhelfen, denn eine Fehlgeburt kommt bei ca. 10–20 % aller Schwangeren vor5 – frau darf also auch nach einer Fehlgeburt durchaus wieder Vertrauen in ihren Körper haben. Besonders nach einer Ausschabung mag dies schwierig erscheinen, aber man sollte seinen eigenen Körper niemals unterschätzen!

Schwangerschaft nach Fehlgeburt: Was hilft?

Zunächst einmal muss unterschieden werden zwischen einer Fehlgeburt (Geburtsgewicht weniger als 500 Gramm) und einer Totgeburt (Geburtsgewicht mehr als 500 Gramm); ferner zwischen einem Frühabort (bis zur 12. Ssw.), der 80 % der Fehlgeburten ausmacht, und einem Spätabort (ab der 12. Ssw.).

Viele Frauen sind nach einer Fehlgeburt und während der neuen Schwangerschaft hin- und hergerissen: Wie verarbeite ich den Verlust und trage dennoch gleichzeitig zu einer gelingenden Schwangerschaft und Geburt bei? Wichtige Informationen und allgemeine Tipps haben wir auf unserer umfassenden Seite zum Thema schwanger werden zusammengestellt. Was zusätzlich bei einer Schwangerschaft nach einer Fehlgeburt wichtig ist, haben wir Dir im Folgenden aufgeführt.

Folsäure

Wie bei jeder Schwangerschaft, so gilt auch bei einer Schwangerschaft nach einer Fehlgeburt, dass der Bedarf an Folsäure bei Kinderwunsch für Dich und das Kind höher ist als zuvor. Ein Mangel an Folsäure kann eine Ursache für eine Fehlgeburt sein, daher solltest Du darauf achten, dass Du stets ausreichend mit Folsäure versorgt bist.

Entspannungsübungen

Mit Entspannungsübungen, Meditation oder Yoga kannst Du zu einer inneren Ruhe gelangen, die Dir dabei hilft, dass Du Dich durch Deine schlechten Erfahrungen nicht aus dem Gleichgewicht bringen lässt. Diese Übungen helfen Dir dabei, abzuschalten und neue Energiereserven aufzubauen, die Dich durch die Ängste tragen. Vielleicht ist für Dich ja auch ein Kurs in einer Gruppe für Geburtsvorbereitung hilfreich?

Positives Denken

Nur, weil einmal etwas schiefgegangen ist, sollte man nicht davon ausgehen, dass sich dieses Muster wiederholt. Früher wurde Schwangerschaft mit „guter Hoffnung sein“ gleichgesetzt, und diese Denkweise ist sicherlich förderlich. Man sollte nach einer Fehlgeburt versuchen, sich nicht nur von den Ängsten, sondern auch von den Hoffnungen leiten zu lassen.

Reden, reden, reden

Für viele Frauen ist das Gespräch mit anderen Betroffenen, mit dem Partner, dem Arzt oder der Hebamme, äußerst wichtig und hilfreich. Sie erhalten dadurch einen Einblick in Sichtweisen von Außen, die helfen können, den eigenen, manchmal verengten Blick zu korrigieren. Reden befreit oft auch ein Stück weit von den Ängsten, die im Zusammenhang mit der Fehlgeburt und der erneuten Schwangerschaft das Denken bestimmen.

Hormone

Manchmal ist auch ein Mangel an Gelbkörperhormonen Ursache für eine Fehlgeburt. Es kann also sinnvoll sein, beim Arzt vor der nächsten Schwangerschaft eine mögliche Gelbkörperschwäche abklären zu lassen. Er kann in diesem Fall Hormonpräparate verordnen, um die Chancen auf eine gelingende Geburt zu erhöhen, so dass der Kinderwunsch schließlich in Erfüllung geht.
Außerdem lässt auch der Wert des humanen Choriongonadotropin (hCG) in gewissem Maß Rückschlüsse auf eine drohende Fehlgeburt zu, wenn er trotz Schwangerschaft sehr niedrig ist bzw. abfällt.

Schwanger nach Fehlgeburt: Psychische Aspekte

Nach dem Verlust eines Babys durch eine Fehlgeburt und vor einer erneuten Schwangerschaft haben viele Frauen Schwierigkeiten, sich unbefangen darauf einzulassen. Verständlich – es muss und darf getrauert werden, und auch Ängste und Sorgen bezüglich einer neuen Schwangerschaft können nicht einfach beiseite gewischt werden.

Trauer

Bei einer Fehlgeburt, ganz gleich in welchem Stadium, ist Trauer unvermeidlich. Aber sie ist auch natürlich und hat ihre Berechtigung: Die Schwangerschaft endet abrupt, man ist nicht mehr „guter Hoffnung“, sondern nur noch unendlich traurig. Für viele ist es bei einem solchen Erlebnis hilfreich, mit jemandem zu reden – idealerweise natürlich mit dem Partner. Es kann aber durchaus sein, dass dieser den Verlust des Babys anders verarbeitet und gerade nicht darüber sprechen möchte. Dies sollte akzeptiert werden und dann sollte ein anderer Gesprächspartner gefunden werden, beispielsweise eine gute Freundin. Es gibt aber auch viele Trauercafés oder Gesprächsgruppen, die in der Regel auch für Trauernde nach Fehlgeburten offen sind. Wichtig ist, dass die Partnerschaft nicht unter der Fehlgeburt leidet, sondern sie gemeinsam trägt.

Schuldgefühle

Viele Frauen plagen nach einer Fehlgeburt Schuldgefühle – in den meisten Fällen völlig zu Unrecht. In der Regel ist die Ursache für eine Fehlgeburt ein natürlicher Selektionsvorgang des Körpers, ohne dass frau darauf Einfluss hätte nehmen können. Es ist sehr hilfreich, sich dies immer wieder bewusst zu machen – gleiches gilt für den Umstand, dass keine Schwangerschaft planbar ist.

Angst

Vor oder während einer neuen Schwangerschaft begleitet viele Frauen vor allem ein Gefühl: Angst. Geprägt durch die Fehlgeburt fürchten sie, dass sich der Verlust bei der neuen Schwangerschaft wiederholen könnte. Schon kleinste Blutungen können dann größte Sorgen auslösen, was aus psychischer Sicht nachvollziehbar, aus medizinischer Sicht jedoch unbegründet ist: Das Risiko, dass Fehlgeburten dreimal oder häufiger hintereinander auftreten – ein sog. „habitueller Abort“ –, betrifft nur ein bis zwei Prozent aller Fälle. Fakten nehmen jedoch oftmals nicht die Angst, daher ist es wichtig, sich darüber auszusprechen. Im Falle einer erneuten Schwangerschaft besteht sonst die Gefahr, dieses Wunder gar nicht genießen zu können. Und wenn die Angst im Hintergrund und nur leise ständiger Begleiter bei der nächsten Schwangerschaft ist, hat dies in der Regel auch keine Auswirkungen auf den Schwangerschaftsverlauf. Treten allerdings irrationale Angstzustände auf, sollten diese behandelt werden, da sich der dadurch ausgelöste Stress ansonsten negativ auswirken könnte. Es sollte also auf jeden Fall versucht werden, das Thema „Schwanger nach Fehlgeburt“ von seinen positiven Seiten zu sehen.

Quellen:
1 Wyss, P. et al.: Relevance of the miscarriage-new pregnancy interval. J Perinat Med., Vol. 22, Issue 3, p. 235-241. 1994.
2 Daiter, E.: Recurrent Miscarriage (Pregnancy Loss). Abgerufen am 14. März 2017.
3 Voigt, M. et al.: Zum Einfluss von vorausgegangenen Schwangerschaftsabbrüchen, Aborten und Totgeburten auf die Rate Neugeborener mit niedrigem Geburtsgewicht und Frühgeborener sowie auf die somatische Klassifikation der Neugeborenen. Zeitschrift Geburtshilfe Neonatologie, 2008.
4 Bhattacharya, S. et al.: Research Effect of interpregnancy interval on outcomes of pregnancy after miscarriage: retrospective analysis of hospital episode statistics in Scotland. BMJ, 2010;341:c3967
5 Diedrich, K. et al.: Gynäkologie und Geburtshilfe. 2. Auflage, Heidelberg 2007.


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